Liebeszeichen auf der Pobacke


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Antje Landmanns Notizblock, bekritzelt, mit einem Kugelschreiber obendrauf

Anno dazumal, als der Fernseher nur drei Programme sendete, gab es noch ein heiteres Beruferaten mit Robert Lenke. Die Geheimnisträger sollten ihr Arbeitsfeld mit einer typischen Bewegung andeuten. Bei uns Journalisten wäre das simpel: Eine Hand klappt flach auf. Zeigefinger und Daumen der anderen Hand zittern hektisch darüber hinweg. Erraten? Auch wenn ich viel lieber und viel schneller auf der Tastatur schreibe, muss man draußen beim Recherchieren im Stadtdschungel oder in den Weiten der Pfalz doch zu Notizblock und Stift greifen. Und dann versucht man, in den Atempausen des Gesprächspartners Zahlen, Fakten und markante Aussprüche aufs Blatt zu bannen.

„Können Sie das wirklich lesen?“

„Ist das Steno?“, fragte mich letztens ein Interviewpartner und spähte interessiert auf mein Geschnörkel. Äh, nein. Ich habe in der Schule schon nicht mit Schönschrift geglänzt, und im Job ist es nicht besser geworden. „Können Sie das wirklich lesen?“, wollte mal ein anderer wissen. Ich antwortete: „Ach, ich erfinde einfach was!“ Hoffentlich hatte der Mann Sinn für Ironie. Dabei ist seine Frage ja berechtigt, und sie kommt mir auch in den Sinn, wenn mein Blick auf die Notizen von geschätzten Kollegen fallen: diese karg gestrichelten Grashalme in der Papiersavanne. Gibt es dafür einen Stein von Rosette zum Entziffern?

Das vergangene Jetzt auf dem Notizblock

Mit solchem Kritzelkrakel ist der Künstler Cy Twombly immerhin berühmt geworden. Und der Poststrukturalist Jacques Derrida hat über das Wesen der Unterschrift philosophiert, dass sie auf den exakten Moment der Entstehung, auf ein vergangenes Jetzt, hinweist, aber davon losgelöst funktionieren muss.

Meine alten Blöcke sind der Beweis: Dicht beschriebene Zeilen mit gewagten Schwüngen zeugen von einer lebhaften Ratssitzung. Steife Zeichen erinnern daran, wie meine Hände bei einer winterlichen Bombenentschärfung irgendwo auf einem Acker eingefroren sind. Abstürzende Linien, die sich übereinander lagern, habe ich blind im Theaterdunkel hingeworfen.

„Schullerluller“ im Theaterdunkel

Und deren Inhalt kann ich sogar drei Jahre später noch verstehen: „Schullerluller ouie Wyel“ steht da zum Beispiel als Gedanke zu einem Tanzstück am Mannheimer Nationaltheater. „Schulterblätter wie Flügel“ heißt das natürlich (siehe auf dem Foto das Buchstabengewusel unten). Und darüber so etwas wie „to love of Hintern“. Ich erinnere mich sofort: Da ließen die zwei Tänzer die Hosen runter, und auf ihre blanken Pobacken waren die Worte „TO LOVE“ gepinselt. In Schönschrift! Gut lesbar für alle. So was brennt sich ins Gedächtnis ein, da braucht man eigentlich nicht mitzuschreiben.

 

Im crossmedialen Spannungsfeld


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Wir Volontäre besuchen während unserer Ausbildung viele Seminare, darunter auch solche, die uns neue Formen aufzeigen, Leser mit unseren Nachrichten zu erreichen. Etwa das Crossmedia-Seminar oder das zu Datenjournalismus. Dort wurde die Zukunft des Nachrichtengeschäfts erklärt – oder das, was zurzeit für die Zukunft gehalten wird. Weiterlesen

 

Praktikanten in fremden Redaktionswelten


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Ich mag Praktikanten. Vielleicht, weil ich selbst in der Zweibrücker RHEINPFALZ-Redaktion einst so angefangen habe. Praktikanten sind gut gegen Routine. Sie hinterfragen, worüber wir im Redaktionsalltag gar nicht mehr nachdenken („Wozu braucht man Verbandsgemeinden?“), und im Gegenzug zeigen wir ihnen fremde Welten. So kommen ihnen einige Dinge zumindest vor, die wir in der Redaktion verwenden; Telefonbücher aus Papier zum Beispiel. Weiterlesen

 

Das Buch Bratkartoffel


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Können Sie Bratkartoffeln? Mehlschwitze? Glasierte Zwiebeln? Eintopf? Gemüsebrühe? Spätzle? Kartoffelkekse? Aal-Suppe …?

Es sind viele alte Bekannte, aber auch ein paar alte Unbekannte, die in so einem Kochbuch aus den 1950ern drinstehen. Dieses hier ist ein besonderes Exemplar, zumindest für uns bei der RHEINPFALZ, denn es ist aus der RHEINPFALZ – wortwörtlich. Weiterlesen

 
Wo sind die schönen Ecken in Ludwigshafen?

Schönes Ludwigshafen?


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Münster, Bayreuth. Ich gebe zu, ich war bisher verwöhnt. Zumindest, was die Städte angeht, in denen ich arbeiten durfte. 16 Jahre im Münsterland und Münster, knapp zwei Jahre in Bayreuth. Da arbeiten, wo andere Urlaub machen.  Und jetzt Ludwigshafen. Die Stadt kannte ich nur aus dem Tatort. Besonders heimelig wirkt sie dort nicht.

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Familientreffen in der Elbphilharmonie


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Elbphilharmonie

Herausragende Architektur: die Elbphilharmonie. Foto: dpa

Heute Abend ist so etwas wie ein großes Familientreffen für Musikjournalisten aus dem ganzen Land. In Hamburg öffnet endlich, nach jahrelanger Verzögerung, zwischenzeitlichem Baustopp und der Verzehnfachung der ursprünglich veranschlagten Kosten die Elbphilharmonie ihre Tore. Manche Kollegen waren schon bei einer Besichtigung dabei und sind begeistert von der Akustik – wie übrigens auch die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters, dessen Heimat die neue Philharmonie ist. Es heißt, alle hätten geweint, so gut klinge der in den Neubau quasi reingehängte Konzertsaal. Weiterlesen

 

Unzufrieden mit der eigenen Arbeit


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Meine Kollegin Rebekka Sambale hat mir den Sonntagabend vermiest. Den Nachmittag über hatten wir gemeinsam versucht, mehr über den gewaltsamen Tod des Ludwigshafener Unternehmers Ismail Torun herauszufinden. Dass wir mit dem Ergebnis unserer Arbeit trotzdem nicht zufrieden sein könnten, schrieb sie mir über Facebook, als ich endlich daheim auf der Couch saß. Leider hatte sie recht. Weiterlesen

 

Optimierte Inhalte & neues Design für Traueranzeigen


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Liebe Leserinnen und Leser,

unsere digitalen Traueranzeigen wurden im November 2015 erneuert. Seitdem gibt es das Trauerportal RHEINPFALZ Trauer & GedenkenGut ein Jahr später fanden wir, dass es Zeit wird für ein neues Layout und angepasste Funktionen.

In den letzten Monaten haben wir hilfreiches Feedback von unseren Lesern erhalten und uns intensiv mit den Nutzungsanlässen für RHEINPFALZ Trauer & Gedenken beschäftigt. So konnten wir unser Trauerportal nach Ihren Wünschen weiterentwickeln. Weiterlesen

 

Brandheiß: Silvester feiern bei der Feuerwehr Landau


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Silvester in einer Feuerwache zu verbringen, ist ja ein Quasi-Garant für aufregende Geschichten. Mit einem Großbrand in Landau-Queichheim und einem Heiratsantrag hatte ich dann aber doch nicht gerechnet. Weiterlesen

 

Erkennungszeichen: r0ket – Blind Date beim #33c3


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Rakete Fairydust

Vor dem Hamburger Hackerkongress: das Maskottchen Fairydust, auch als r0ket bekannt.

Über Twitter startete ich am Mittwoch einen Aufruf an alle Pfälzer*innen auf dem 33. Chaos Communication Congress in Hamburg (#33c3), wer mir erzählen würde, warum er den Hackerkongress besucht. Es dauerte kaum fünf Stunden und ich hatte eine Verabredung. Weiterlesen