18 Stiche in drei Minuten


Von

Oder: von der Besichtigung des Polders Wörth/Jockgrim

Als Volontärin – so werden auszubildende Redakteure genannt – macht man so seine Erfahrungen. Neben vielen schönen, die ich bisher als RHEINPFALZ-Volontärin gemacht habe, kam neulich eine, auf die ich lieber verzichtet hätte. Eine fies juckende. Es geschah an einem „Volotag“, einem unserer internen Ausbildungstage. An solchen Tagen besuchen wir mit unserem Betreuer Herr Leister etwa das Landeskriminalamt in Mainz, die Bundeswehr in Berlin oder die Air Base in Ramstein. Schließlich sollen wir wissen, mit wem wir es am Telefon oft zu tun haben. Volotage haben etwas von einer Klassenfahrt − jedenfalls fühle ich mich dabei immer so.

Zuletzt verschlug es uns nach Neupotz, ein idyllisches Dörfchen in der Südpfalz mit Fachwerkhäusern, einer schmucken Kirche und Storchennestern auf den Dächern. Dort, im Museum „Leben am Strom“, hörten wir zunächst einem Vortrag über die Landesbehörde SGD Süd – beileibe nicht so trocken, wie der Leser jetzt vielleicht vermuten mag−, um danach die nahe gelegene Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim zu besichtigen. Ich als Neu-Pfälzerin staunte nicht schlecht: So ein ausgeklügeltes System von Deichen, Schöpfwerken, gesteuerten und ungesteuerten Bereichen, Ein- und Auslassbauwerken kannte ich bisher nur aus meiner Studienzeit in den Niederlanden.

Leider sollte mir das Staunen bald vergehen. Wir kamen gerade an einem überfluteten Waldstück vorbei, als plötzlich Myriaden von Stechmücken aus der übelriechenden Suppe auftauchten, um uns von allen Seiten zu attackieren. Nur etwa drei Minuten standen wir dort – gefühlt aber ungleich länger –, bis wir unseren seelenruhig weiterredenden Deichführer, der an solcherlei offenbar gewöhnt war, zum Aufbruch drängen konnten. Das traurige Zeugnis dieses Nachmittags: stolze 18 Stiche an den Beinen, manche handtellergroß. Kabs, kommt bitte bald noch mal an den Altrhein bei Neupotz!

Eine Schnake beim Saugen auf einem Menschen

 

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