Prost Landschaftskino!


Von
RHEINPFALZ-Redakteur Rolf Schlicher bei der Weinprobe.

RHEINPFALZ-Redakteur Rolf Schlicher bei der Weinprobe.

38 Weinflaschen am Stück geben eine ganz schön lange Reihe. Für diese Strecke reicht der Konferenztisch der Pfalzwein-Werbung in Neustadt gerade so aus. „Und die soll ich jetzt alle probieren?“, frage ich. Damit hatte ich nicht gerechnet, als Pfalzwein-Mitarbeiterin Susanne Breiling von mir wissen wollte, ob ich beim Aussuchen des nächsten Probierpakets mithelfen möchte. Da dachte ich noch, dass es dafür bestimmt eine größere Jury gibt und mein bescheidenes Votum so nur eine Stimme von vielen sein würde. Also hatte ich zugesagt. Aber jetzt stehe ich plötzlich alleine vor dieser Flaschenbatterie. Wie komme ich aus dieser Zwickmühle nur wieder heraus?

Kurze Rückblende: 2004 hatte die Pfalzwein-Werbung einen „Pfalzclub“ ins Leben gerufen, der inzwischen über 2000 Mitglieder hat. Sie bekommen unter anderem jährlich vier Ausgaben des Pfalzclub-Magazins. Das erzählt in schönen Bildern und flotten Texten von der Schönheit der Pfalz und von besonderen Pfälzern. Zusätzlich wird in jedem Heft ein Wein-Probierpaket mit drei Flaschen gepackt, das die Mitglieder erwerben können. Für diese Weinauswahl gibt es jedes Mal ein anderes Thema: Zuletzt drehte sich alles um Sekte, davor um Festtagsweine. Diesmal würde  es um die passenden Weine für ein Picknick gehen.

Buchtitel "Das Pfälzer Tischleindeckdich"

Und genau deshalb kam ich plötzlich ins Spiel. 2014 war mein Buch „Das Pfälzer Tischleindeckdich – Wo ein Picknick zum Erlebnis wird: die besten Plätze und Rezepte“ herausgekommen. Drei Jahre lang war ich dafür mit meinen Freunden Hedwig Herberger und Rainer Gumpp durch die Pfalz gestreift, hatte nach Geheimtipps für prickelnde Picknicks in der Pfalz gesucht. Und wir hatten tatsächlich Plätze mit einer besonderen Aura und Ausstrahlung gefunden: beispielsweise die atemberaubende Tribüne auf dem Kirschfelsen bei Rinnthal oder das so idyllisch-schläfrige  Leinbachtal bei Weidenthal. Beides Sehnsuchtsplätze mit großem Landschaftskino!

Picknick im Leinbachtal: Rolf Schlicher mit Hedwig Herberger und Rainer Gumpp. Foto: Himmer

Picknick im Leinbachtal: Rolf Schlicher mit Hedwig Herberger und Rainer Gumpp. Foto: Himmer

Das „Pfälzer Tischleindeckdich“ war 2015 vom Bezirksverband mit dem Medienpreis Pfalz ausgezeichnet worden. Von daher war es nicht abwegig, mich als „Picknickexperten“ die passenden Weine für solch einen Outdoor-Genuss aussuchen zu lassen. Aber wie probiert man 38 Weine, wenn man kein Verkostungsprofi ist? Mir hilft ein Bild im Kopf und ein Gefühl im Bauch, das sich in all den „Tischleindeckdich“-Jahren verfestigt hatte: Speisen und Getränke bei solch einem Picknick sollen das Genießen der Landschaft kitzeln und  verstärken, aber nicht mit einem eigenen dominanten Auftritt plattwalzen. Also schiebe ich gleich mal die drei Chardonnays und vier Sauvignon Blancs unprobiert beiseite. Und taste mich weiter vor. Von welchen Winzern die Weine sind, weiß ich nicht – die Flaschen stecken in schwarzen Stoffhüllen. Aber ich habe von Susanne Breiling eine Liste bekommen, die über die Weinsorte der jeweiligen Probierflasche informiert. Ohne die wäre ich wohl total aufgeschmissen.

Nummer 33 ... Foto: Pfalzwein

Nummer 29 … Foto: Pfalzwein

Nach einer Stunde ist es geschafft und meine drei Favoriten stehen fest: ein trockener Rosé, ein trockener Riesling und eine besondere Cuvée aus Riesling, Silvaner und Gewürztraminer. Ebenfalls trocken. „Diesen Wein würde ich im Wasgau bei den kantigen Buntsandsteinfelsen trinken. Die Ruppigkeit dieser Cuvée korrespondiert hervorragend mit der rauen Oberfläche der Felsen“ – so habe ich es bei der Probe empfunden und gesagt. So steht es in dem Beitrag im neuen Pfalzclub-Magazin, den Autorin Annette Frank über meine Probierstunde geschrieben hat.

Die Gegenprobe wird demnächst gemacht, habe ich mir vorgenommen. An einem tollen Platz, der so grandios ist, dass wir ihn im „Tischleindeckdich“ nicht preisgegeben haben: der Bayrische Windstein bei Petersbächel im Wasgau. Oben auf diesem Felsen, den man über eine Leiter erreicht, hat man einen herrlichen Panoramablick über das grünblaue Waldmeer. Grenzenlos – und das quasi mitten auf der Grenze. Der Bayerische Windstein, so berichten Chronisten, hat seinen Namen aus der Zeit Napoleons, als die Grenze noch anders verlief und die Pfalz zu Bayern gehörte. Nach dem Sturz Napoleons wurde die Grenze zwischen Frankreich und Bayern 1826 neu festgelegt – der Windstein liegt jetzt ganz knapp auf französischem Gebiet. Aber man muss nur ein paar Schritte gehen und man landet gleich wieder in der Pfalz. Ein Picknickplatz, an dem man mit einem Bein in Frankreich und mit dem anderen in Deutschland steht, ist genau der richtige Ort für eine Cuvée! Einfach ausprobieren …

 

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