Als Pressesprecher bei der BASF: Von Mipa-Meetings und dem Handlauf-Gebot


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Das Herz der BASF-Gruppe ist die BASF SE mit ihrem Stammwerk in Ludwigshafen am Rhein. Mit etwa 250 Produktionsbetrieben, vielen hundert Laboren, Technika, Werkstätten und Büros auf einer Fläche von rund zehn Quadratkilometern, ist es der größte zusammenhängende Chemiekomplex der Welt. Das Stammwerk der BASF ist auch die Wiege des Verbundkonzepts: Produktionsanlagen, Energieflüsse und Logistik werden intelligent miteinander vernetzt, um Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen. Abdruck honorarfrei. Copyright by BASF. BASF SE with its main site in Ludwigshafen is the heart of the BASF Group. With around 250 productions facilities, hundreds of laboratories, technical centers, factories and offices in an area of approximately ten square kilometers, the site is the largest integrated chemical complex in the world. As the headquarters of BASF it is also the cradle of the Verbund concept, where production facilities, energy flows and logistics are linked together intelligently in order to utilize resources as efficiently as possible. Print free of charge. Copyright by BASF.

Einfach riesig: Mit etwa 250 Produktionsbetrieben, vielen hundert Laboren, Werkstätten und Büros ist das BASF-Stammwerk in Ludwigshafen der größte zusammenhängende Chemiekomplex der Welt. Foto: BASF

Im März stand für mich eine besondere Station meines Volontariats an: Für einen Monat wechselte ich meinen Arbeitsplatz von der Ludwigshafener Amtsstraße in die Bahnsteigstraße. Wem das spontan nichts sagt: Die Straße befindet sich auf dem BASF-Gelände, direkt hinter Tor 1. Dort sitzt die Pressestelle des Chemiekonzerns in einem ziemlich großen, sechsstöckigen Gebäude von 1921. Und hier sollte ich für vier Wochen die Seite wechseln:

vom Journalisten zum Pressesprecher. Die Hospitanz bei der BASF können wir RHEINPFALZ-Volontäre freiwillig zu unseren Pflichtstationen im Haus machen. Umgekehrt können BASF-Volos, die ähnlich wie wir zahlreiche interne und externe Stationen durchlaufen, bei der RHEINPFALZ in das Wirtschaftsressort oder die Lokalredaktion Ludwigshafen reinschnuppern.

Schon mein erster Tag beim größten Arbeitgeber der Pfalz war eine Erfahrung für sich: beim Werkschutz anmelden, einen Tagesausweis bekommen, mit Werkplan in der Hand das Gebäude suchen, den richtigen Ausweis in der Ausweisstelle abholen, die Sicherheitseinweisung erhalten – alles Dinge, die für einen Großkonzern-Mitarbeiter Gang und Gäbe sind, für mich aber völliges Neuland waren. Wer hätte schon gedacht, dass man beim Treppenlaufen stürzen kann? Und ziemlich oft sogar! „Handlauf benutzen“ fordern daher überall im Gebäude Hinweisschilder den unachtsamen Treppenläufer auf. Keine Frage: Gerade nach dem Explosionsunglück 2016 hat sich die BASF das Thema Sicherheit verstärkt auf die Fahne geschrieben. Bei der RHEINPFALZ wird vieles lockerer gehandhabt: In den meisten Lokalredaktionen braucht es noch nicht mal einen Chip als Türöffner – jeder kann jederzeit in die Redaktionen reinspazieren. Gerade ältere Leser machen davon auch gerne und oft Gebrauch.

In der Pressestelle der BASF in Ludwigshafen arbeiten zehn Pressesprecher oder „Kommunikateure“, wie sich die Mitarbeiter der ganzen BASF-Unternehmenskommunikation gerne selbst nennen. Neben der Pressestelle gehören dazu etwa Bereiche wie das Markenmanagement, die Forschungskommunikation, die Mitarbeiterkommunikation (sie schreiben die Mitarbeiterzeitung) und die digitale Kommunikation (sie betreuen die Webseite und die sozialen Netzwerke). In der Pressestelle werden im Wesentlichen Presseanfragen beantwortet, Interviewtermine vorbereitet und Pressemitteilungen geschrieben. Auch das Proben des Ernstfalls, sprich die Krisenkommunikation, spielt eine wichtige Rolle: In jedem Zimmer liegt die „Rote Mappe“, in der steht, wer bei einem Unglück was zu tun oder zu sagen hat. Ansonsten stehen im Arbeitsalltag eines BASF-Pressesprechers immer wieder Meetings, Konferenzen und Weiterbildungsseminare an.

Das neue Büro- und Konferenzgebäude D 105 befindet sich im Südteil des Verbundstandorts Ludwigshafen. Der Neubau bietet auf sieben Stockwerken Platz für 1.300 Mitarbeiter. Im Gebäude befindet sich ein Konferenzzentrum mit modernster Veranstaltungstechnik. Beim Bau des Konferenzgebäudes kamen eine Vielzahl an innovativen BASF-Materialien zum Einsatz. Abdruck honorarfrei. Copyright by BASF. The new office and conference building D 105 is located in the southern part of BASF’s Verbund site Ludwigshafen. The seven floors offer space for 1,300 employees and a modern conference center. Many innovative BASF products were used for the construction of D 105. Print free of charge. Copyright by BASF.

Das BASF-Werksgelände bei Tor 1 und Tor 2: Die Pressestelle sitzt in dem weiß-beigen, die anderen Gebäude überragenden Bau in der rechten Bildmitte. Foto: BASF

Überhaupt das Networking. Bei den BASF-Kommunikateuren steht der Austausch untereinander und mit Anilinern aus anderen Unternehmensbereichen an vorderster Stelle. Ein Beispiel: Zur Mittagspause geht man nicht einfach in die Kantine oder trifft sich spontan mit Kollegen auf dem Flur. Nein. Für eine waschechte BASF-Mittagspause bekommt man wenigstens eine Woche vorher bei Outlook eine Einladung zum „Mipa-Meeting“ eingestellt. Glücklich ist, wer für mindestens die nächsten drei Wochen täglich mit einem anderen Kollegen verplant ist.

Bei der RHEINPFALZ gibt es solche Rituale nicht, auch eine Kantine sucht man vergeblich. Vielen Redakteuren fehlt  schlicht die Zeit, mittags länger Pause zu machen. Vermutlich hat sich deshalb nie eine Kantine rentiert. Und doch, ich gebe zu: So eine „Betriebsgaststätte“ – die BASF hat stolze elf davon – hat schon ihre Vorteile. Genauso wie der kostenlose Mitarbeiterparkplatz und die „klassischeren“ Arbeitszeiten. Spätestens gegen 17.30 Uhr ist Feierabend. Dafür wird morgens früher angefangen. Für einen Journalisten, der erst zwischen 10 und 10.30 Uhr in die Redaktion schlurft und dort bis mindestens 19 Uhr bleibt, eine ganz neue Erfahrung – auch wenn ich auf die feierabendlichen verstopften Straßen gerne verzichtet hätte.

Die Arbeit als Pressesprecher eines Großkonzerns hat aber auch ihre Einschränkungen. Jeder Satz, jede Aussage, jedes Zitat muss in einem mitunter langen Prozess mit allen möglichen Abteilungen abgestimmt werden. Nichts wird spontan an einen neugierigen Journalisten weitergegeben. Braucht es rasch geprüfte Infos, hilft vielleicht ein Blick in den alljährlichen Geschäftsbericht weiter, aus dem man vergleichsweise bedenkenlos Sätze herausklauben darf. Der „Bericht“, wie er hier schlicht heißt, ist sozusagen die Bibel eines BASF-Pressesprechers. Alles, was darin steht, wurde vom gesamten Vorstand gelesen und gebilligt, ist also okay.

 

Ein Gedanke zu „Als Pressesprecher bei der BASF: Von Mipa-Meetings und dem Handlauf-Gebot

  1. Roman K.

    Na ja, genauso wenig wie man vom Lokaljournalismus der Rheinpfalz auf den Journalismus insgesamt schließen kann, genauso wenig kann man von der Pressearbeit der BASF auf das Berufsfeld Public Relations schließen …

    Den Geschäftsbericht mit der Bibel zu vergleichen, finde ich übrigens witzig. Dass bei einem Geschäftsbericht nichts dem Zufall überlassen werden soll, heißt ja aber nicht automatisch, dass die Abstimmungsprozesse an sich nicht kreativ sind oder waren. Im Gegenteil: So kreativ muss man erst einmal sein, dass es für alle Verantwortliche passt! Und klar, dass dem Journalist eben nur die fertige Bibel präsentiert werden soll. Das ist ein bisschen wie in der Kirche: Die BASF predigt und der Journalist darf zuhören und Frage stellen. Und die Antworten fallen dann entsprechend lehramtsmäßig aus, weil eben der Geschäftsbericht ein Geschäftsbericht ist und es weniger um größtmögliche Gestaltungsfreiheit als vielmehr um Zahlen, Daten und Fakten, Argumente und Hintergrundinformationen geht, die dann eben die PR bereitstellt.

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