Anisschnaps im Pfalzdorf


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Willkommen in Pfalzdorf! Das Schild beweist: Diesen Ort gibt es wirklich.

Willkommen in Pfalzdorf! Das Schild beweist: Diesen Ort gibt es wirklich. Foto: Gemperlein

Vor kurzem war es wieder so weit. Eine größere Recherche-Reise stand an. Ich sollte am Niederrhein einem ganz besonderen Dorf einen Besuch abstatten: dem Pfalzdorf. „Bitte was?“, dachte ich, als ich den Namen zum ersten Mal hörte. „Pfälzer am Niederrhein? Wie denn das? Reicht es nicht, dass Donald Trump Pfälzer Vorfahren hat?“ Ja, Sie haben richtig gehört. Das Pfalzdorf gibt es wirklich! Als Journalist lernt man wahrlich nie aus. So fuhr ich eines schönen Morgens dreieinhalb Stunden gen Nordwesten, um mir den besonderen Ort genauer anzuschauen. Die Geschichte können Sie  im Südwest-Teil der RHEINPFALZ lesen.

Im Pfalzdorf mit Informationen überhäuft

Ein schöner Aspekt unseres Berufes ist es, viele interessante Menschen kennenzulernen, die man sonst nie treffen würde. So auch hier. Ich hatte mich am Niederrhein in dem schönen Flecken namens Louisendorf mit zwei Herren des Pfälzerbundes verabredet. Der Verein will die alten Traditionen und den besonderen Dialekt der Pfälzer am Niederrhein bewahren. Meine Gesprächspartner klangen schon am Telefon nett. Und ich wurde nicht enttäuscht. Da ich mich mit Vereins-Menschen verabredet hatte, wurde ich mit Informationen nur so überhäuft. Denn Vereine freuen sich immer, wenn Journalisten sie besuchen und ihre ehrenamtliche Arbeit in der Zeitung würdigen.

Das ist beileibe nicht bei allen unseren Informationsquellen so. Da gibt es zum einen die, die gegenüber der Presse zur Auskunft verpflichtet sind: Kommunen und die Polizei etwa. So wenig es ihnen auch manchmal behagen mag, sie müssen mit uns reden. Demgegenüber gibt es jene, die sich sehr gerne in der Zeitung stehen sehen. Dazu gehören zum Beispiel Wissenschaftler, Bürgerinitiativen und Politiker – bei letzteren natürlich nur, wenn man Positives über sie schreibt. Aber es gibt auch Informationsquellen, die uns weniger gerne am Telefon haben, etwa die Staatsanwaltschaft, gerade wenn es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Oder eben alle Leute, die möglicherweise etwas zu verbergen haben oder in eine unangenehme Geschichte verwickelt sind. Schließlich bleiben noch Verbände und Unternehmen. Die sind der Presse gegenüber eher misstrauisch. Denn nach außen getragenen Informationen können die jeweilige Firma oder Branche in Schwierigkeiten bringen. Sie können auf unsere Fragen antworten oder eben auch nicht.

Geschenke zum Abschied

Umso dankbarer waren da meine beiden Gesprächspartner. Zum Abschluss meines Besuches im Pfalzdorf sollte ich mir aus einem Zimmer in Ihrem Archiv, das mit Souvenirs über ihr Dorf gefüllt war, alles mitnehmen, was ich wollte. „Greifen Sie zu, greifen Sie zu“, lautete die mehrfache Aufforderung. Ich zögerte. Als Journalist sollte man  eigentlich keine Geschenke annehmen. Aber die beiden meinten es nur gut. So bekam ich dann einige Bücher, Zeitschriften, Postkarten und Pfalzdorf-Aufkleber fürs Auto in die Hände gedrückt – nachdem ich eine Widmung in das Gästebuch geschrieben hatte und dabei fotografiert worden war. Wie ein Ehrengast. Den „besonders leckeren“ Anisschnaps aus Pfalzdorf habe ich aber abgelehnt. Ich trinke auch gar keinen Schnaps. Die gut gemeinten Andenken werde ich dem Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern anbieten. Die freuen sich bestimmt.

 
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Isabel Gemperlein

Über Isabel Gemperlein

Seit Juni 2015 Volontärin bei der RHEINPFALZ. Hat während ihres Studiums der Angewandten Kulturwissenschaften in Saarbrücken erste Zeitungsluft in der Lokalredaktion Zweibrücken geschnuppert. Die Saarpfälzerin hat eine Vorliebe für den Pfälzerwald, mittelalterliche Gemäuer und die Fotografie.

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