„Astrid, bist du jetzt verzweifelt?“


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Kontrollierender Blick: Ministerin Anne Spiegel schaut zu ihrer Pressesprecherin Astrid Eriksson. Foto: Lauer

Kontrollierender Blick: Ministerin Anne Spiegel schaut zu ihrer Pressesprecherin Astrid Eriksson. Foto: Lauer

Knapp über zwei Stunden dauert der erste Redaktionsbesuch der grünen Landesministerin Anne Spiegel bei der RHEINPFALZ und am Ende stellt die 36-Jährige fest, dass sie „klitschnass geschwitzt“ ist. Es liegt sicher nicht nur an den schlechten, beziehungsweise wenig berauschenden Ergebnissen bei den diesjährigen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sowie den 5,3 Prozent, die die Grünen im vergangenen Jahr bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erzielt haben, die das Gespräch zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen.  

Gefordert wird die Ressortchefin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz vor allem beim Thema Integration und Flüchtlingspolitik. Sie ist um Differenzierung bemüht, etwa beim Thema Abschiebepraxis und spricht auch von Problemen und Tücken des bestehenden Systems, etwa wenn sie auf die schwierige Situation von 15-jährigen Flüchtlingskindern ohne Deutschkenntnisse angesprochen wird, die den Schulstoff im Gymnasium bewältigen müssen.

Der Respekt, den Spiegel vor der Komplexität der Integrationsaufgaben hat, wird während des Redaktionsgesprächs deutlich. Es gebe keine Blaupause für den Integrationsprozess, sagt Spiegel mit Blick auf Probleme und Schwierigkeiten. Wichtig sei es, Schüler schnell in den Regelbetrieb aufzunehmen. Es nütze nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, sagt sie fast schon entschuldigend. Das klingt alles sehr nüchtern. Das erwartete flammende Plädoyer für eine Willkommenskultur bleibt zunächst aus.

Chefredakteur Michael Garthe eröffnet die Fragerunde bei den Redaktionsgesprächen. Foto: Lauer

Chefredakteur Michael Garthe eröffnet die Fragerunde bei den Redaktionsgesprächen. Foto: Lauer

Konkrete Informationen zum derzeitigen Aufenthalt des 13-jährigen Deutsch-Irakers, der Ende 2016 einen Anschlag auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt geplant haben soll, lässt sich Spiegel auch auf mehrfache Nachfrage nicht entlocken. „Es war mir klar, dass Sie das ansprechen“, sagt sie süffisant. Nur soviel lässt sie durchblicken: Der Junge werde intensiv betreut, die Eltern seien kooperativ und die Betreuung scheine zu greifen.

Es dauert bis zum Ende des Gesprächs, ehe Spiegel, angesprochen auf den kommenden Bundestagswahlkampf, tatsächlich die Tonlage ändert und vehementer für die offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft plädiert. Es tobe ein Kampf um Werte und Dinge, die über viele Jahre mühevoll erkämpft werden mussten, bricht es aus ihr heraus. „Wir lassen es nicht zu …“, ruft sie mit Nachdruck und lässt ihre erhobene Faust auf den Tisch fallen. Als ob sie selbst über ihre Vehemenz erschrocken scheint, entschuldigt sie sich prompt und schaut kurz darauf fragend zu ihrer Pressesprecherin Astrid Eriksson: „Astrid, bist du jetzt verzweifelt?“ Doch die Befürchtungen sind unbegründet. Die Gesichtszüge ihrer Mitarbeiterin verraten, dass alles in Ordnung ist.

Über die inhaltlichen Ausführungen während des Redaktionsgesprächs haben wir ausführlich unter dem Titel „Ministerin Anne Spiegel will allen Flüchtlingen Bildungsangebote machen“ berichtet.

 

 

 

 

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