Kategorie-Archiv: Debatte

Wie Facebook meine Meinung zur „Hitler-Glocke“ verändert


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Mit Hakenkreuz und Propagandaspruch: die Herxheimer "Hitler-Gocke".

Mit Hakenkreuz und Propagandaspruch: die Herxheimer „Hitler-Glocke“.

So richtig nachgedacht habe ich anfangs gar nicht darüber, wie ich zur Debatte um die Herxheimer „Hitler-Glocke“ stehe. Spontan hätte ich wohl gesagt: Soll sie ruhig weiterbimmeln. Schließlich hört man ihr nicht an, dass auf ihrer Außenwand ein Hakenkreuz prangt. Und außerdem sind die allermeisten Menschen in unserem Land doch immun gegen nationalsozialistisches Denken. Doch seit Dienstag habe ich Zweifel. Weiterlesen

 

Innenminister unter falschem Verdacht


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 Innenminister Roger Lewentz erklärt in Enkenbach-Alsenborn, wie sich sich rheinland-pfälzische Streifenpolizisten für Antiterror-Einsätze rüsten. Foto: dpa

Gut für den Bundestagswahlkampf: Innenminister Roger Lewentz erklärt in Enkenbach-Alsenborn, wie sich sich rheinland-pfälzische Streifenpolizisten für Antiterror-Einsätze rüsten. Foto: dpa

Journalisten sind misstrauisch – erst recht, wenn sie es, wie so oft, mit Politikern zu tun haben. In den vergangenen Tagen hegten wir einen Rücksichtslosigkeits-Verdacht gegen den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz. Denn er hatte zu einem Pressetermin ins westpfälzische Enkenbach-Alsenborn eingeladen. Dort sollten ganz normale Streifenpolizisten zeigen, wie sie in einem Fünf-Tage-Kurs darauf vorbereitet werden, mordlüsterne Terroristen oder Amokläufer zu stoppen. Doch dass ihr Dienstherr die Beamten ausgerechnet jetzt zu so einer Vorführung antreten ließ, kam uns ganz schön hartherzig vor. Weiterlesen

 

Wie Helmut Kohl auch nach seinem Tod polarisiert


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Bekommt Lob, aber auch Kritik: RHEINPFALZ-Berichterstattung zum Tod Helmut Kohls. Foto: skz

Helmut Kohl polarisiert  –  zeitlebens und auch noch nach seinem Tod. Aus unserer Leserschaft erfahren wir einerseits viel Lob für unsere Berichterstattung und Kommentierung zum Tode des Kanzlers der Einheit und zur Diskussion über die Trauerfeierlichkeiten. Andererseits gibt es auch Kritik daran. Es zieme sich nicht, über den Streit zwischen Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, und den beiden Söhnen Kohls öffentlich zu berichten. Das sei doch Privatsache, heißt es da zum Beispiel. Weiterlesen

 

Der Bundespräsident und die Presse


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Vergangene Woche war ich auf Dienstreise in Berlin. Unter anderem habe ich am Festakt zum 60. Geburtstag des Deutschen Presserates teilgenommen. Der Presserat ist ein Organ der Selbstkontrolle der deutschen Medien. Sein Kodex ist eine wichtige Orientierungshilfe für journalistische Arbeit und er erspart uns so manche komplizierten Pressegesetze. Bundespräsident Joachim Gauck hielt bei der Feier die Festrede. Es ist bewundernswert, wie sorgfältig Gauck mit der deutschen Sprache umgeht, wie logisch und verständlich er argumentiert und wie präzise seine Wortwahl ist. Unabhängig vom Inhalt seiner Reden ist es meistens ein Genuss, ihm zuhören zu können.

Zur Presse hat Gauck klare Worte gefunden. Ich zitiere: Weiterlesen

 

Blitzlichter am Landgericht


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FT, Landgericht, Prozess Baby

Beim ersten Verhandlungstag im Frankenthaler Babymord-Prozess: RHEINPFALZ-Redakteur Christoph Hämmelmann und die Volontärin Sara Brunn. Foto: Bolte

10. November, erster Verhandlungstag im Babymord-Prozess vor dem Frankenthaler Landgericht, Sitzungssaal 20:

Ich selbst sitze als RHEINPFALZ-Volontärin mit gut einem Dutzend Journalisten in der ersten Reihe. Zuvor hat mich mein Weg erst ein einziges Mal vor Gericht geführt. Nicht als Prozessbeteiligte, sondern in rein beruflichem Auftrag. Die rund einstündige Verhandlung von damals mit den Worten „unspektakulär“ und „alltäglich“ zu beschreiben, wäre fast schon eine Übertreibung. Angeklagt war vor dem Pirmasenser Amtsgericht ein junger Mann, der auf einem Dorffest einen anderen verprügelt haben sollte. Das hier in Frankenthal ist etwas Anderes. Weiterlesen

 

Stigmatisieren Medien psychisch Kranke?


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Terroranschlag in Nizza: Angeblich war der Täter "depressiv". Und was sagt uns das jetzt? (Foto: DPA)

Terroranschlag in Nizza: Angeblich war der Täter „depressiv“. Und was sagt uns das jetzt? (Foto: DPA)

In unserem Bericht über den „Autokratzer“ von Frankenthal vom 1. September heißt es, der Täter sei „offenbar psychisch krank“. Mit dieser Information haben wir den Text auch bei Facebook geteilt. Einige Leser haben daraufhin kritisiert, der Hinweis sei unangebracht und würde Menschen mit psychischer Erkrankung stigmatisieren. Tenor der Kritik: Es gebe keinen Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Straftat, die Information sei daher nicht relevant. Außerdem wurde uns stellvertretend für „die Medien“ vorgeworfen, wir würden mit unserer „medialen Macht“ sorglos umgehen und Stigmatisierung fördern. Wir haben in der Redaktion darüber kontrovers diskutiert: Haben sie recht? Warum nennen wir Journalisten etwas und warum nicht? Und was bedeutet das für das Etikett „psychisch krank“?

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Auf dem Abstellgleis: Vom Kampf mit den Floskeln


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Wirklich so leicht zu verwechseln? Das ist eine Welle, die auf ein Land zurollt...(Foto: DPA)

Wirklich so leicht zu verwechseln? Das ist eine Welle, die auf ein Land zurollt… (Foto: DPA)

Wer kennt das nicht: Endlich gibt der Chef grünes Licht für ein Projekt, an dem man schon im Vorfeld fieberhaft gearbeitet hatte. Zeitnah soll es jetzt aber bitteschön fertig werden. Weiterlesen

 

Alles außer gewöhnlich


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knarre3

Nicht ganz billig: Handtasche mit Pistolen-Abdruck. Foto: Daniel Wetzel

Man mag sie witzig finden. Oder geschmacklos. Außergewöhnlich sind sie auf jeden Fall. Die Taschen, die zwei Designerinnen unter dem Label „Dieter & Thomas“ vertreiben. Das Pfiffige daran sind die Abdrücke von Gegenständen, die sich scheinbar in den (nicht ganz billigen) Handtaschen befinden. Das kann ein Mikrofon sein. Oder eine Gartenschere. Der Renner sind aber Taschen mit Silhouetten von Pistolen. Weiterlesen

 

„Hahngate“: Fällt Ihnen ein besseres Schlagwort ein?


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ARCHIV - Die gepiercte rechte Brust der Sängerin Janet Jackson ist bei der Showeinlage bei einem Football-Spiel in Houston zu sehen, neben ihr der Sänger Justin Timberlake (Archivfoto vom 01.02.2004). Der Vorfall erregte in den USA ebenso Empörung wie außereheliche Beziehungen von Politikern oder vermeintlich "sexuelle Belästigungen" durch Kleinkinder an Kindergärtnerinnen in der jüngsten Vergangenheit. Prüderie ist eine Seite der US-Gesellschaft, die andere sind Schwulenkultur oder TV-Serien wie "Sex and the City". Foto: Rhona Wise (Zu dpa-Korr.: "«Sex and the City» - Sind die Amerikaner wirklich so prüde?" vom 01.09.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Eine Panne, ungefähr so fulminant wie das aktuelle Hahn-Desaster der Landesregierung? Janet Jacksons Superbowl-Auftritt 2004 mit Justin Timberlake ging als „Nipplegate“ in die Geschichte ein. Foto: dpa

Sein Flehen blieb unerhört. „Tut mir einen Gefallen: Schreibt nicht Hahngate“, hatte unser Chef vom Dienst Peter Leister am Freitag in der Redaktionskonferenz gesagt. Zu abgedroschen findet er all diese Schlagworte mit „-gate“ am Ende, die mittlerweile für Skandale und Skandälchen jeder Art gebastelt werden.  Wenig später hat unsere Online-Redaktion das böse Wort trotzdem verwendet – als Hashtag, weil sich der Begriff schon allgemein für den gescheiterten Verkauf des Hunsrück-Flughafens festgesetzt hat. Und das wird im Netz auch so bleiben. Aber vielleicht finden wir ja trotzdem noch ein originelleres Schlagwort. Sie könnten uns dabei helfen. Weiterlesen