Die Facebook-Spur zum mutmaßlichen Terrorkrieger


Von
Sofalandschaften statt eines Profibilds: Verbirgt sich so bei Facebook ein Eisenberger, der als islamistischer Kämpfer ins syrisch-irakische Kriegsgebiet gegangen sein soll? Foto: Hämmelmann

Sofalandschaften statt eines Profibilds: Verbirgt sich so bei Facebook ein Eisenberger, der als islamistischer Kämpfer ins syrisch-irakische Kriegsgebiet gegangen sein soll? Foto: Hämmelmann

Es kostet ein wenig Überwindung, einen mutmaßlichen Terrorkämpfer auf Facebook anzuchatten. Ich habe es jetzt trotzdem getan. Denn ich wollte herausfinden, ob ich im Internet tatsächlich jenen Türken aus Eisenberg aufgespürt hatte, der 2014 mit Frau und Kleinkind im syrisch-irakischen Kriegsgebiet verschwunden war. Schließlich gilt die Kleinfamilie bei den deutschen Behörden bis heute offiziell als verschollen.

Über ihren Fall hatte DIE RHEINPFALZ zum ersten Mal im November 2014 berichtet. Seither versuchte ich immer wieder, mehr über den Verbleib des Paares und seines Kindes herauszufinden. Doch all diese Versuche liefen ins Leere. Lediglich das alte Facebook-Profil des mutmaßlichen Islamisten kannte ich irgendwann. Aber dort ist im öffentlich einsehbaren Bereich nichts mehr passiert, seit er im Dezember 2013 ein Selfie von sich mit seinem in ein Tragetuch gehülltes und am Schnuller nuckelnden Sohn hochlud.

Schwierig: Der Eisenberger trägt einen türkischen Allerweltsnamen

Doch im Frühjahr 2017 taucht auf  auf meinen Bildschirm auf einmal ein weiteres Facebook-Profil mit dem Namen des Eisenbergers auf. Allerdings hört er auf eine Kombination aus Vor- und Zunamen, die in der Türkei ungefähr so häufig vorkommen dürfte wie in Deutschland „Michael Müller“ oder „Peter Schmidt“. Und auch die Profilbilder des neu entdeckten Auftritts helfen nicht weiter: Statt Selfie mit Sohnemann gibt’s hier nur Werbefotos für Teppiche und Sofalandschaften.

Ich frage schließlich jemanden, der zu Pfalz-Türken gute Kontakte hat. Doch dieser Mann winkt ab. Sein Argument: Als derzeitigen Wohnort gibt der Inhaber des neueren Profils eine Provinzstadt an. Die Familie des Terrorverdächtigen aus dem Donnersbergkreis hingegen stammt aus einer zwölf Autostunden entfernten Region am anderen Ende der Türkei. Und dort vermuten ihn auch in der Pfalz lebenden Landsleute, die gehört haben, dass er noch am Leben sein soll.

Verdächtig: Der mysteriöse Facebook-Nutzer vertritt einen strengen Islam

Eine Spur zum mutmaßlichen Terrorkrieger: Der Facebook-Nutzer will aus Eisenberg stammen. Foto: Hämmelmann

Eine Spur zum mutmaßlichen Terrorkrieger: Der Facebook-Nutzer will aus Eisenberg stammen und die Grundschule des Städtchens im Donnersbergkreis besucht haben. Foto: Hämmelmann

Doch in ihre Kreise hat der geheimnisvolle Facebook-Nutzer keinen sichtbaren Kontakt. Dafür ist sein Profil mit mehreren Menschen befreundet, die den gleichen deutschen Nachnamen tragen wie die Frau des mutmaßlichen Islamisten. Und die rund um Eisenberg leben. In diesem 10.000-Einwohner-Städtchen will der Profilinhaber auch in die Grundschule gegangen sein. Außerdem postet dieser Türke fast ausschließlich auf Deutsch. Und er scheint einen recht streng ausgelegten Islam zu vertreten.

Gewissheit könnten mir vermutlich Menschen aus dem rheinland-pfälzischen Sicherheitsapparat verschaffen. Schließlich, so bekomme ich signalisiert, sind auch sie schon auf das Profil mit den Werbefotos für Sofalandschaften gestoßen. Doch ob Fahnder es tatsächlich ihrem Verdächtigen zuordnen, dazu schweigen meine Quellen eisern – obwohl ich sie wochenlang immer wieder mit der Frage nerve. Also bleibt mir am Ende tatsächlich nur, den mutmaßlichen Terrorkämpfer direkt anzuchatten.

Der hätte daraufhin natürlich einfach abstreiten können, dass er tatsächlich der international zur Fahndung ausgeschriebene Eisenberger ist. Oder meine Anfrage ignorieren können. Vielleicht hätte ich dann entnervt aufgeben. Doch stattdessen hat er prompt geantwortet – und indirekt auch gleich bestätigt, dass ich bei ihm tatsächlich an der richtigen Adresse bin.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.