Detailaufnahme der Leuchtbuchstaben des Hotels Atlantic in Hamburg, sichtbar ist ein Lauf des Gewehrs eines Scharfschützen, der zu den Sicherheitsmaßnahmen des G20-Gipfels im Juli 2017 gehört

Dieser Horror muss wohl sein – Sicherheit beim G-20-Gipfel in Hamburg


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Der G-20-Gipfel in Hamburg ist eine Mammutveranstaltung – und für Journalisten ein Horrortrip. Die Sicherheitsmaßnahmen sind extrem. Fort Knox – der Armeestützpunkt im US-Bundesstat Kentucky, wo die Amerikaner ihren Goldschatz hüten – könnte nicht besser gesichert sein. Die Sicherheitsüberprüfungen erfolgen in Ringen.

Erster Check: Wer das Gelände betreten will, muss sich ausweisen und wird kurz befragt. Wohin? Warum? Das erinnert an das Prozedere bei der Ankunft am Flughafen Tel Aviv. Ungewöhnlich, aber harmlos. Noch ist die Laune wie das Wetter: sonnig.

Zweiter Check: Vor dem Gebäude ist eine Brücke, die als Schleuse dient. „Zur Akkreditierung?“ – „Ja!“ – „Dann warten Sie hier bitte!“ Die Journalisten müssen sich versammeln. Warten. Zeit für eine Zigarette.

Dritter Check: Die Journalisten werden zu einer Tür geführt. Schlange stehen, warten, warten, warten. Zeit für zwei Zigaretten. Einzeln werden die Kollegen zur Sicherheitskontrolle gebeten. Der Fortschritt ist eine Schnecke. Taschen leeren, Notebook und Handy anstellen. Jede Nische in der Notebooktasche wird akribisch untersucht, die Zigarettenschachtel ist zu öffnen. „Haben Sie ein Messer dabei?“ – „Nein! Sehe ich aus wie ein Messerstecher?“ Der Beamte hat immerhin Humor. Den drei Zentimeter dicken Aktenstapel beäugt er fast Blatt für Blatt. Das Zeitungsexemplar ist ihm auch suspekt. Das dauert. „Ist das ein Netzwerkkabel?“ – „Ja!“ „Bitte auspacken!“ So geht das. Es dauert. Geschafft.

Vierter Check: Schlange stehen. Warten. Der Personalausweis wird gescannt. Rauchen geht hier nicht mehr. „Alles in Ordnung. Bitte gehen Sie weiter.“ Muss einer vom Landeskriminalamt gewesen sein.

Fünfter Check: „Personalausweis bitte!“ Der Sachbearbeiter ist freundlich, tippt die ID-Nummer in den Computer. „Ich muss von Ihnen ein Foto machen. Bitte treten Sie hinter die weiße Linie.“ Dabei haben sie längst ein Foto von mir. Aber okay, endlich der Ausweis. Mit neuem Foto.

Sechster Check: „Jetzt geht das von vorne los!“, fluche ich in mich hinein, als ich die neuerliche Schleuse sehe. Es ist wie am Flughafen. Jacke ausziehen, Taschen leeren, Computer aus der Tasche, anmachen und in die graue Plastikkiste legen. Keine Auffälligkeiten beim Personenscan. „Ist das Ihre Tasche?“, fragt eine resolute Stimme. – „Ja!“ – „Sie haben zwei Feuerzeuge dabei. Das ist nicht erlaubt.“ – „Warum nicht?“ – „Es dient Ihrer eigenen Sicherheit. Welches wollen Sie behalten? Das andere müssen Sie abgeben. Es wird vorschriftsmäßig entsorgt.“ Deutsche Gründlichkeit bei der Mülltrennung muss wohl auch bei den Sicherheitsschleusen sein. Fertig. Ich bin im Medienzentrum. Fertig?

Siebter Check: Wer zum Hintergrundgespräch mit den Spitzenbeamten aus Kanzleramt und Finanzministerium vorgelassen wird, ist ein Buch mit sieben Siegeln. Ich stehe nicht auf der Liste, manch anderer auch nicht. Aber das kenne ich schon. So schnell gebe ich nicht auf. Irgendwann stehe ich auf der Liste, handschriftlich hinzugefügt. Alles wird gut. Ich bekomme einen weiteren Ausweis. „Pool Card 3“ nennt sich der – und keiner weiß warum. Dann geht es wieder von vorne los. Der Ausweis (neu) wird eingescannt. Taschen leeren, Computer aus der Tasche, anmachen und in die graue Plastikkiste legen. Der siebte Check ist geschafft.

Der Weg zum Briefingraum ist kurz. Allein dürfen wir ihn nicht gehen. Der Staat ist überall. Wir werden eingerahmt von Sicherheitsbeamten. Vor jeder Tür, vor jedem Gang steht ein weiterer unauffälliger Hüne mit Knopf im Ohr. Fehlt nur noch die Sonnenbrille bei diesem Neonlicht.

Das ganze Prozedere hat gedauert von 14 Uhr bis gegen 17:30 Uhr. Der Horror. Aber vielleicht muss das sein. Und immerhin: Das eigene Notebook funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich …

 

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