Geheimsache


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Schon Kinder kennen das: Den größten Reiz übt das aus, was man nicht darf. Wenn die Eltern aus etwas ein großes Geheimnis machen, wird es für den Nachwuchs umso spannender. So ähnlich verhält es sich mit Journalisten und Geheimdiensten.

Der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz ist schon von seiner Aufgabe her auf äußerste Diskretion bedacht. Die Schlapphüte agieren gerne außerhalb des grellen Lichts der Öffentlichkeit. Einmal im Jahr wird der Verfassungsschutzbericht präsentiert. Meist war es das dann aber auch in Sachen Transparenz. Die Geheimdienste in so manchem Nachbarbundesland ticken da anders: deutlich offener. Aber das nur am Rande.

Seit Jahresbeginn ist Elmar May Chef des Verfassungsschutzes. Kaum, dass er im Amt war bemühte ich mich mit dem Kollegen Christoph Hämmelmann um einen Interviewtermin bei ihm. Gar nicht so einfach. Aber irgendwann kam dann doch die Zusage aus Mainz. Geholfen hat es dabei vielleicht, dass Elmar May und ich uns kennen, seit er in Kaiserslautern Polizeipräsident war. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Telefonat mit ihm. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich im Januar 2015, dass der Beamte aus dem Innenministerium Chef der Polizei in der Westpfalz werden sollte. Bestätigen wollte das zunächst niemand. Also rief ich den mir damals völlig unbekannten Herrn May an. Der war ziemlich verdutzt, dass sich ein ihm ebenso unbekannter Journalist aus dem Nichts bei ihm meldet. Er wollte zu diesem Zeitpunkt noch nicht so richtig raus mit der Tatsache, dass er nach Kaiserslautern wechselt. Andere haben es dann aber bestätigt, und am nächsten Tag stand in der RHEINPFALZ, wer den langjährigen Polizeipräsidenten Wolfgang Erfurt ablösen soll.

Nachdem er ein paar Wochen im Amt war, lernten wir uns dann näher kennen. Ich saß in seinem Büro, wir sprachen über die Polizei und die Presse. Ein angenehmes Gespräch. Im Oktober 2016 bekam ich den Hinweis, dass May die Pfalz schon wieder verlässt und Chef des Verfassungsschutzes wird. Auch darüber informierte die RHEINPFALZ, bevor es andere Medien wussten. Ob es May gefallen hat, dass ich seine Stellenwechsel verkündet habe, bevor sie vom Innenministerium offiziell verlautbart wurden? Ich weiß es nicht.

Ernsthaft böse kann er mir aber wohl nicht gewesen sein, sonst hätte er sich wohl kaum auf ein Interview mit mir und dem Kollegen Hämmelmann eingelassen. Zwar hat er uns nicht alle Fragen beantwortet, aber angekündigt, dass der Verfassungsschutz künftig nicht ganz so öffentlichkeitsscheu sein will. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Beim Gespräch im Innenministerium: (von links) Pressesprecher Steffen Wehner, Andreas Müller und Elmar May sowie die Redakteure Christoph Hämmelmann und Andreas Ganter. Foto: K. Schäfer

Beim Gespräch im Innenministerium: (von links) Pressesprecher Steffen Wehner, Andreas Müller und Elmar May sowie die RHEINPFALZ-Redakteure Christoph Hämmelmann und Andreas Ganter. Foto: K. Schäfer

 

 

 

 
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Andreas Ganter

Über Andreas Ganter

Kürzel: gana, Jahrgang 1982, überzeugter (Saar-) Pfälzer, studierter Politikwissenschaftler und Theologe. Hat seit 2014 im Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“ verstärkt seine Heimat – die Westpfalz – im Blick. Als er begonnen hat für die RHEINPFALZ zu schreiben, galt noch die Devise: "Print first". Beim Wahlzeit-Blog der RHEINPFALZ hat Ganter erfahren, dass bloggen genau so viel Spaß machen kann, wie einen Artikel für die Print-Ausgabe zu verfassen. Fast.

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