Geschichten sind wie Chips


Von

Buchschaden

Mit dem Erzählen einer spannenden Geschichte ist es wie mit einer Tüte Chips: Man fängt mit einem Chip an, dann noch einer und dann noch einer, wird süchtig und stellt irgendwann überrascht fest, dass die Tüte leer ist. Die Idee hatte ich, als ich die neue RHEINPFALZ-Multimedia- und Print-Serie konzipiert habe. In der Zeitung steht ein möglichst ausgefallener Aspekt eines Themas, auf der Internetseite http://www.rheinpfalz.de/storys blicken wir unter dem Titel „Ein Blick, ein Klick“ hinter die Kulissen des „Drehorts“.

Was macht die Polizei, wenn ihre Asservatenkammer voll ist, wo kommen die Beweismittel hin? Was passiert im Dom, wenn er geschlossen ist und wie funktioniert die Technik? Gibt es eine Plattform, auf der Museen ihre Ausstellungen kaufen? Woher kam der Anfangsbestand des Landesarchivs? All das sind Geschichten, die ich im Printteil der Speyerer Lokalausgabe aufgreife.

Bei den Vorgesprächen mit den Interviewpartnern ergaben sich schnell viele Anekdoten. Beispielsweise erzählte mir eine Sammlungsleiterin des Historischen Museums, dass in Speyer ein altes Buch ausgestellt wurde, dessen Seiten nur von einem Mitarbeiter des leihgebenden Museums umgeblättert werden durfte. Dabei geht es natürlich um mehr als nur das Blättern. Aber dieser Mensch wurde extra nach Speyer eingeflogen. Selbst die Mitarbeiter des Speyerer Museums dürfen nicht mehr an die Vitrinen, wenn sie einmal verschlossen wurden. Oder da ist der nette Polizeibeamte, der mich durch die Asservatenkammer der Polizeiinspektion Speyer geführt und die originellsten Beweisstücke präsentiert hat, darunter ein gynäkologisches Instrument, das seine Kollegen sicherstellen mussten bei einem Kriminellen.

Doch Multimedia bedeutet auch eine Umstellung für uns Print-Redakteure. Wir gehen normalerweise einmal zu einem Termin, schreiben darüber – Sache erledigt. Für den Online-Teil der Serie ist das etwas komplizierter: Konzept erstellen, Vorgespräche führen, Videos drehen, Fotos machen, Audiobeiträge aufnehmen, Texte schreiben, das ganze Material sichten, schneiden, überarbeiten, wieder und wieder zurückspulen, noch einmal reinhören, nachschauen … Die häufig gestellte Frage nach der Anzahl der Arbeitsstunden kann ich gar nicht bemessen. Allein der erste Online-Teil der Serie zog sich über Monate, weil alles in der Freizeit gemacht werden musste.

Ich wäre sicher verloren gewesen, hätte meine Kollegin Yannika Hecht nicht schon so viel Vorwissen und zu dem Zeitpunkt auch die Möglichkeit das erste Video zu drehen, mir das Schneiden und Überarbeiten zu zeigen. Sie war es auch, die mir beim ersten Konzept geholfen und mit mir geübt hat. Nun ist sie nach ihrem Volontariat Redakteurin in Landau und damit raus aus dem Online-Redaktion. Künftig muss ich meine Videos selbst drehen. Aber immerhin – ihr Training macht sich bezahlt.

 

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