„Heimspiel in London“ für FCK-Fans

Ein schöner Wochenend-Ausflug, es hat sich gelohnt, vor allem wegen der Gastfreundschaft der Londoner und der guten Atmosphäre im Stadion und drumherum. So fassen die meisten der etwa 1000 Fans ihre Reise mit dem Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern zum Testspiel am Samstagnachmittag beim englischen Zweitligisten Brentford FC zusammen. Das ist in vielen Gesprächen, die ich rund ums Stadion geführt habe, deutlich geworden.

Vor dem Pub "The Royal Princess" am Griffin Park in Brentford saßen und standen viele Fußball-Fans. Foto: Oliver Sperk

Vor dem Pub „The Royal Princess“ am Griffin Park in Brentford saßen und standen viele Fußball-Fans. Foto: Oliver Sperk

Per Bus, Bahn oder Flugzeug sind die Fans der Roten Teufel angereist, manche haben gar im eigenen Auto die Fahrt mit der Fähre über den Ärmelkanal auf sich genommen oder sind durch den Kanaltunnel auf die Insel gelangt. Auf der Rückfahrt über den Kanal allerdings gab’s Riesenprobleme, Megastaus, weil in Frankreich verschärfte Sicherheitskontrollen herrschen.

Frank Wittmer aus Landau und Claus Günther aus Bad Dürkheim sind am Freitagfrüh mit dem Flieger in die britische Haupstadt gekommen und bleiben bis Sonntagabend. Beide sind seit vielen Jahren FCK-Fans und nehmen für ihren Verein sehr viel auf sich. Für Günther, der schon die großen Europapokal-Reisen des FCK vor allem in den Neunzigerjahren mitgemacht hat, ist der Kurztrip nach London mal wieder eine schöne Abwechslung zum Zweitliga-Alltag.

Wittmer und Günther saßen mit vielen anderen FCK-Fans am Samstag vor und nach dem Spiel auf den Freisitz-Bierbänken vor dem Pub „The Princess Royal“ eingangs der Braemar Road nur wenige Meter vom Griffin Park des Brentford FC entfernt. „Ich bin recht optimistisch für die neue Saison“, sagt Günther, „Hannover ist für mich der Top-Favorit, dahinter können zehn, elf weitere Mannschaften um den Aufstieg kämpfen, darunter wir. Der FCK muss um den Aufstieg mitspielen, sonst bleiben die Zuschauer weg, das kann sich der Verein nicht leisten.“ Sein Kumpel Wittmer ist pessimistischer nach dem zehnten Rang aus der vorigen Saison. „Wir müssen uns eher nach unten als nach oben orientieren“, meint der Landauer. Einig sind sich beide, dass der Abstand zwischen Mittelfeld und Abstiegszone in der am 5. August beginnenden Saison gering sein wird.

Auch bei Joachim Fieß aus Oberkirch bei Offenburg und bei Torben Müller aus Kehl am Rhein gehen die Meinungen auseinander. Die beiden Badener waren für zwei Tage in London, wollten sich die mögliche Startelf ihres FCK für die Zweitliga-Runde genauer ansehen, saßen mit mir im 65er-Linienbus von der U-Bahn-Station South Ealing zum Stadion. „Ich bin skeptisch. Wir müssen realistisch bleiben. Die Liga ist brutal stark mit Hannover und Stuttgart. Auch Dresden und Aue sind als Aufsteiger nicht zu unterschätzen, das sind keine Selbstläufer für den FCK“, sagt Fieß, „da muss man aufpassen, dass man nicht unten reinrutscht.“ Müller entgegnet: „Ich denke komplett anders. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Top fünf erreichen. Jón Dadi Bödvarsson wird einen Schub durch die EM bekommen.“

Später haben sie alle im Stadion den großen FCK-Block gebildet, sangen friedlich „Wir sind die Tramps vun de Palz“ und „Heimspiel in London, wir haben Heimspiel in London“. Rund um die Braemar Road am Stadion ist es friedlich und fröhlich geblieben. Einzelne „schwarze Schafe“, die sich danebenbenehmen allerdings gab es auch beim ansonsten netten Europa-Ausflug der FCK-Fans nach London.

Neben Trikots von Chelsea, Arsenal und Co. waren am Wochenende in der britischen Hauptstadt auch noch Jerseys anderer Erstligisten zu sehen: Vor der Underground-Station Westminster in der City of London habe ich einige Stunden vor dem FCK-Spiel einen englischen Jungen mit asiatischen Wurzeln erblickt, der mir vor allem deshalb aufgefallen ist, weil er ein Bayern-Trikot trug. Mit dem mittlerweile obligatorischen „Mia san mia“-Schriftzug hinten am Kragen. Auch das gibt’s mitten in London.
Vor dem FCK-Spiel wurde später für die Opfer des schrecklichen Ereignisses am Freitag in München eine Gedenkminute abgehalten; auch ein kleines Zeichen der Verbundenheit der Briten mit Europa – trotz Brexit.

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