Innenminister unter falschem Verdacht


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 Innenminister Roger Lewentz erklärt in Enkenbach-Alsenborn, wie sich sich rheinland-pfälzische Streifenpolizisten für Antiterror-Einsätze rüsten. Foto: dpa

Gut für den Bundestagswahlkampf: Innenminister Roger Lewentz erklärt in Enkenbach-Alsenborn, wie sich sich rheinland-pfälzische Streifenpolizisten für Antiterror-Einsätze rüsten. Foto: dpa

Journalisten sind misstrauisch – erst recht, wenn sie es, wie so oft, mit Politikern zu tun haben. In den vergangenen Tagen hegten wir einen Rücksichtslosigkeits-Verdacht gegen den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz. Denn er hatte zu einem Pressetermin ins westpfälzische Enkenbach-Alsenborn eingeladen. Dort sollten ganz normale Streifenpolizisten zeigen, wie sie in einem Fünf-Tage-Kurs darauf vorbereitet werden, mordlüsterne Terroristen oder Amokläufer zu stoppen. Doch dass ihr Dienstherr die Beamten ausgerechnet jetzt zu so einer Vorführung antreten ließ, kam uns ganz schön hartherzig vor.

Schließlich hat die rheinland-pfälzische Polizei gerade erst die Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl abgesichert. Und nun sind viele ihrer Beamten in Hamburg, um dort den G-20-Gipfel zu beschützen. Das, dachten wir, müsste Grund genug sein, um der Truppe in diesen Tagen alles zu ersparen, was man auch bei anderer Gelegenheit erledigen kann. Zum Beispiel einen Vorführ-Termin für die Medien. Immerhin mussten für den jede Menge Polizeischüler, mehrere Streifenwagenbesatzungen sowie Ausbilder und diverse hochrangige Beamte an der Grillhütte auf dem Bereitschaftspolizei-Gelände in Enkenbach-Alsenborn vor Journalisten und Minister mit viel Aufwand, Kunstblut und Nebelmaschine einen lebensgefährlichen Einsatz nachstellen.

Lewentz schafft es so in die Medien

An den schon relativ ereignislosen Tagen vor den Sommerferien kommt die Polizei mit so einem Auftritt natürlich groß heraus. Und mit ihr schafft es dann auch Minister Lewentz in die Medien. Der Sozialdemokrat hat sich zwar mit der Pannenserie beim Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn weit über die Landesgrenzen hinaus blamiert. Aber als Sicherheitspolitiker genießt er auch außerhalb von Rheinland-Pfalz einen guten Ruf, und damit steht er als Sozialdemokrat ziemlich alleine da. Doch der Schutz vor dem Terror könnte im anstehenden Bundestagswahlkampf ein wichtiges Thema werden. Umso gelegener kommt es ihm und seiner Partei, wenn er sich zusammen mit schlagkräftigen Polizisten zeigt.

Macht auch selbst Bilder: Innenminister Roger Lewentz fotografiert Beamte und einen Polizeischüler, der bei der Übung einen Verletzten spielt. Foto: View

Macht auch selbst Bilder: Innenminister Roger Lewentz fotografiert Beamte und einen Polizeischüler, der bei der Übung einen Verletzten spielt. Foto: View

Und tatsächlich hat sich Lewentz nach der Vorführung nicht nur mit den Beamten zu einem großen Gruppenbild aufgestellt und bereitwillig in die Mikrofone der Fernseh- und Radiosender gesprochen. Er ist auch noch selbst zwischen den mit Kunstblut verschmierten Polizeischülern herumgestiefelt und hat Fotos gemacht, um sie noch am gleichen Tag bei Facebook zu zeigen. Aber sich selbst so zu präsentieren, ist natürlich auch Teil seines Berufs. Und zugleich zollt er seinen Polizisten  damit ja auch seinen Respekt. Zumal ihnen der scheinbar so unpassende Termin sogar ganz gelegen gekommen sein soll. Denn wegen der vielen Großeinsätze finden im Moment keine Schulungen statt.

Anders gesagt: Selten hat ein Pressetermin den Lehrbetrieb in Enkenbach-Alsenborn so wenig gestört wie diesmal.

 

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