Mittagskonferenz, die erste!

11.45 Uhr. Vor dem großen Konferenzraum der RHEINPFALZ-Zentralredaktion, zweiter Stock, Amtsstraße 5-11, herrscht Hektik. Ungewöhnlich, eigentlich. Denn normalerweise findet zu dieser Zeit die Mittagskonferenz statt, ein tägliches Ritual für die Journalisten. Und dabei bleibt man meistens unter sich. Doch an diesem Tag ist das anders. Zurzeit wird ein neuer Unternehmensfilm über die RHEINPFALZ gedreht, der die Arbeit der größten Tageszeitung in Rheinland-Pfalz zeigen soll. Na dann: Mittagskonferenz, die erste!

Vor dem Eingang zum Konferenzraum bildet sich ein kleiner Stau. Eine Frau mit blonden Haaren steht in der Tür und streichelt mit einem Pinsel über das Gesicht von Christoph Hämmelmann. Wenn die Kamera läuft, soll schließlich keine Schweißperle zu sehen sein. Und ich muss feststellen: So entzückend sah der Kollege aus der Südwest-Redaktion selten aus. „Der Nächste, bitte“, ruft die Maskenbildnerin. Während der Autor dieser Zeilen eine Gesichtstapete verpasst bekommt, schwirrt im Raum ein Mann mit Kamera umher, der sich später als Regisseur, er nennt sich Jürgen, entpuppen wird. Die Aufgabe klingt zunächst simpel für den Filmdreh. Chefredakteur Michael Garthe soll in den Raum reinspazieren, mit, na klar, der RHEINPFALZ unter Arm. Die Redakteure haben sich bereits um den langen Konferenztisch versammelt. Die Situation soll die Wirklichkeit der Mittagskonferenz wiederspiegeln. „Ich brauche etwa zehn bis zwölf Sekunden Filmmaterial“, sagt Jürgen. Kein Problem, oder?

Zur Information: Die Mittagskonferenz ist so etwas die Stabsstelle der RHEINPFALZ. Von Montag bis Freitag finden sich täglich im großen Konferenzraum die Chefredaktion und die Blattmacher ein, also diejenigen, die sich um die Themenbestückung der aktuellen Ausgabe kümmern. Los geht es immer um 11.45 Uhr – mit einem Signalton. Eine unserer Sekretärinnen schlägt meist synchron mit den Glocken der Lutherkirche auf einen Gong. Dann strömen – mit den Jahren wird man auf das Geräusch konditioniert – die Journalisten in den Raum. Der Ablauf der Konferenz ist immer derselbe. Es gibt zunächst eine Blattkritik, heißt: Die Chefredaktion, ein Ressort (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Südwestdeutsche Zeitung oder Zeitgeschehen) oder eine der zwölf Lokalausgabe beurteilen anhand von Kriterien das Blatt. Stimmt der Themenmix, passen die Bilder, sind die Texte verständlich geschrieben, gut recherchiert und stilistisch gelungen? Um solche Fragen geht es. Und dann, ja dann werden die Themen des Tages vorgetragen. So ist jeder darüber informiert, was die einzelnen Ressorts und Lokalredaktionen für die kommende Ausgabe planen. Absprachen können getroffen, die Themenaufbereitung diskutiert werden. Volontäre – Redakteure in Ausbildung – protokollieren die Konferenz, damit jeder Kollege später die Informationen schriftlich einsehen kann.

Zurück zum Drehort: Jetzt läuft die Kamera. Der Chefredakteur kommt, wie besprochen, durch die Tür, großes Hallo, er nimmt am Kopf des Tisches Platz und informiert die Kollegen über aktuelle Entwicklungen im Haus. Alles gut? Nicht ganz. „Können wir das noch mal machen, Herr Garthe? Man hat auch die Süddeutsche Zeitung unter ihrem Arm gesehen, das geht gar nicht“, sagt Jürgen. Also, von vorne. Durch die Tür, großes Hallo, sitzen, Infos mitteilen. Aber der Regisseur ist noch immer nicht zufrieden. „Ich will das noch mal aus einer anderen Perspektive sehen.“ Michael Garthe nimmt‘s gelassen. Bis die Szene im Kasten ist, dauert es eine halbe Stunde. Viel Zeit für Zeitungsmacher, die tagesaktuell arbeiten. Aber was tut man nicht alles.

Wann der Film erscheint, ist derzeit noch nicht ganz klar. Wir werden Sie aber darüber informieren. Gezeigt werden soll er vor allem Besuchergruppen, die im Druckzentrum der RHEINPFALZ in Oggersheim unterwegs sind. Aber auch im Internet auf Youtube soll er zu sehen sein. Cut!

2 Gedanken zu „Mittagskonferenz, die erste!

  1. Avatarhalbleer

    Bwahaha, die Süddeutsche geht gar nicht!
    Also ich würde mir ja ernsthaft Sorgen machen, wenn mein Chefredakteur nur die eigene Zeitung lesen würde.

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  2. Avatargruschel821

    Vielen Dank für den heiteren Einblick in die Welt des Journalismus!
    Gott sei Dank gibt es Bildungsmigranten und Nachkömmlinge, die sich „voll un gans“ integrieren wollten!

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