Redaktionelle Rituale


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Ludwigshafen, Die Rheinpfalz Redaktionsgast Wirtschaftsminister RLP Volker Wissing (FDP) *** Local Caption *** - copyright by : 10.05.17 / KUNZ / Ralf Moray, Stuhlbruderhofstr 5, 67112 Mutterstadt, Germany. DE52545100670166623671, Tel.+49-(0)6234-4530 , presse@foto-kunz.de

Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) stellt sich den Fragen von RHEINPFALZ-Chefredakteur Michael Garthe. Foto: Kunz

Redaktionsbesuche von Politikern und anderen Gästen folgen bei der RHEINPFALZ gewissen Ritualen. Hin und wieder gibt es dann aber doch ein paar Überraschungen. Am Mittwoch hat beispielsweise der rheinland-pfälzische Verkehrsminister das ein oder andere Detail aus seinem Privatleben verraten – etwa, was er am Vorabend gemacht hat.

Ritual 1: Das Vorgespräch. Bevor ein Gast sich den Fragen der Redaktion stellt, wird er von unserem Chefredakteur Michael Garthe zu einem Vorgespräch in dessen Büro gebeten. Das Ganze dauert meist nur ein paar Minuten. Während dieser Zeit werden die Regeln geklärt. Wichtigste Absprache: Was der Gast erzählt, darf von uns auch geschrieben werden. Es sei denn, unser Besucher weist extra daraufhin, dass es sich um eine Hintergrundinformation handelt.

Ritual 2: Der Gong. Per Gongschlag werden die Kollegen informiert, dass die Redaktionskonferenz beginnt. Aus den verschiedenen Ressorts kommen Kollegen in den Konferenzraum. Die Gäste werden per Handschlag begrüßt. Teilweise kennen unsere Besucher die Journalisten, teils trifft man auf neue Gesichter – der Chefredakteur stellt alle Kollegen vor.

Ritual 3: Die erste Frage. Wie beginnt man so eine Fragerunde am besten? Michael Garthe eröffnet die Gespräche meist mit mehr oder weniger überraschenden Fragen. In Anspielung auf Volker Wissings Wahlkampfslogan („Der macht den Haushalt“) will er nun von ihm wissen, ob er als Minister und stellvertretender Ministerpräsident überhaupt noch dazu komme, den Haushalt zu machen. Wissing ist ein kluger Kopf. Er redet erst mal eine Weile vom Landeshaushalt und dessen politischer Bewältigung, an der er sich selbstverständlich beteilige, bevor er dann auf Nachfrage verrät, dass seine Leidenschaft nach wie vor dem Backen und Kochen gehöre. Noch am Vorabend habe er am heimischen Herd gestanden und Brot gebacken.

Ritual 4: Fragen über Fragen. Nach der Eisbrecherfrage des Chefredakteurs geht es zur Sache. Michael Garthe moderiert die Fragen der Kollegen. Die Gäste beantworten sie so gut sie können oder wollen. Im Fall Wissing bleiben so gut wie keine Fragen offen. Mehrere Themenblöcke werden abgearbeitet. Der FDP-Mann verrät en passant, dass er auch Frostschäden im privaten Bereich zu vermelden habe: in Form seines Blutahorns im heimischen Garten.

Ritual 5: Das Ende. Meist dauert das Frage-Antwort-Spiel zwischen Gästen und Redaktion knapp zwei Stunden. Gegen Ende werden dann noch eine abschließende, eine letzte und manchmal auch noch eine allerletzte Frage gestellt, bevor Michael Garthe die Redaktionskonferenz beendet.

Ritual 6: Das Essen. Fast alle Gespräche finden vormittags statt. Das hat den Vorteil, dass wir am nächsten Tag darüber in der RHEINPFALZ berichten können, ohne Probleme mit dem Redaktionsschluss zu bekommen. Einen Nebeneffekt ist, dass der Austausch zwischen Gästen und Journalisten um die Mittagszeit endet. Weil Gastfreundschaft bei der RHEINPFALZ groß geschrieben wird und auch niemand in unserem Verlag möchte, dass die Besucher anderswo berichten, dass sie bei uns beinahe verhungert wären, schließt sich meist ein gemeinsames Mittagessen an. Daran nehmen der Gast, seine Begleiter, der Chefredakteur und ein paar Kollegen teil. Oft ergibt sich beim Essen noch mal die Möglichkeit, beim ein oder anderen Thema nachzuhaken. Bei Volker Wissing hat das leider nicht geklappt. Er musste zurück nach Mainz. In den Wirtschaftsausschuss. Dort sollte er den Abgeordneten zum Flughafen Hahn Rede und Antwort stehen.

Vielleicht bringt er beim nächsten Besuch der RHEINPFALZ ja mal von seinem selbstgebackenen Brot eine kleine Kostprobe mit. Das wäre dann etwas Neues, fernab von jedem Redaktions-Ritual.

 
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Andreas Ganter

Über Andreas Ganter

Kürzel: gana, Jahrgang 1982, überzeugter (Saar-) Pfälzer, studierter Politikwissenschaftler und Theologe. Hat seit 2014 im Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“ verstärkt seine Heimat – die Westpfalz – im Blick. Als er begonnen hat für die RHEINPFALZ zu schreiben, galt noch die Devise: "Print first". Beim Wahlzeit-Blog der RHEINPFALZ hat Ganter erfahren, dass bloggen genau so viel Spaß machen kann, wie einen Artikel für die Print-Ausgabe zu verfassen. Fast.

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