So geht Work-Life-Balance


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Wenn ich die Tür zum Büro der Onlineredaktion öffne, beginnt für mich Erholung. Das sagt viel über das gute Arbeitsklima aus, das mich dahinter erwartet, aber noch mehr sagt es über meine private  Situation aus, die ich mit dem Öffnen der Tür hinter mir lasse. Wer auf rührselige Schilderungen eines traumatisierten Scheidungskinds oder die Leiden einer alleinerziehenden Mutter hofft, sollte wegklicken. Denn meine Geschichte rührt niemanden zu Tränen, außer mich selbst. Der Plot ist schnell erzählt: Ich bin vor drei Monaten in einen Neubau gezogen. Erstbezug. Im Juni sollte alles fertig sein. Im Oktober ist es das nicht.

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Da ist es doch im Büro heimeliger als noch vor gut einem Monat auf der heimischen Terrasse.

Warum ich Ihnen das an dieser Stelle erzähle? Weil wir hier berichten dürfen, was das Journalistenleben so mit sich bringt. Und für mich bringt es momentan eine vollkommen neue Definition der trendigen Work-Life-Balance mit sich. Dachte ich doch bis zu meinem Umzug – naiv wie ich war – dass ein zeitiger Feierabend und ein ausgeschaltetes Diensthandy in der Freizeit die wichtigsten Zutaten für das seelische Gleichgewicht sind. Denkste. Mehr Arbeit, weniger Privatleben ist künftig die Devise. Ich sauge jede Arbeitsminute achtsam auf, in der Hoffnung, sie möge mich vor dem Baustellen-Burnout zu Hause bewahren.

Denn alle Beteiligten arbeiten eifrig daran, dass er bald eintritt: Dass ich auf Erdhügel statt Rasen, auf Bagger statt Gartenlaube und in Bauarbeiteraugen statt in den blauen Himmel schaue, wenn ich die Rollläden hochziehe, habe ich mittlerweile akzeptiert. Die Zipperlein des Berliner Flughafens sind aber ein Witz gegen die Wehwehchen, die der 30-Parteien-Komplex, den ich mein Zuhause nenne, neben seiner Unfertigkeit hat.

Pünktlich zum Einzug vor zweieinhalb Monaten wurde der Bautrockner aus unserem Keller entfernt. Gutes Timing, dachte ich damals. Hättest du dieses Timing doch mal lieber hinterfragt, denke ich heute. Denn ein entfernter Bautrockner bedeutet noch lange nicht, dass der Raum trocken ist. Es brauchte einen zugeschimmelten Keller, bis sich mir diese Erkenntnis ins Hirn brannte. Gerettet haben wir die stockigen, grünpelzigen Gegenstände in den Nebenraum des Waschkellers. Den Raum, der wegen einer falsch montierten Hebeanlage vor kurzem noch gerochen hat wie eine Mischung aus verfaulten Eiern und Dixi-Klo.

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Ist das Kunst oder kann das weg?

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Es kann weg.

Apropos Klo: Zwei Monate waren Badezimmer und Gästetoilette unserer Wohnung mit einem großen, offenen Fenster verbunden, statt wie geplant von einer großen, milchigen Scheibe getrennt. Das Glas sei zunächst falsch bestellt worden, dann zu Bruch gegangen und schließlich beim Großbrand des Holzfachhandels Wickert in Landau verbrannt, wurde uns gesagt. Womit sich der Kreis schließt. Mit dem Landauer Großbrand hatte ich in Sachen Berichterstattung für die RHEINPFALZ so viel zu tun, dass ich den nicht auch noch in meinem Privatleben brauche. So viel Work-Life-Balance muss ja wohl sein, bitteschön.

 

Ein Gedanke zu „So geht Work-Life-Balance

  1. sonja

    Hallo Yannika! Sehr informativer Beitrag und danke fürs Teilen. Work-Life-Balance hat vor allem mit Qualität und weniger mit Quantität zu tun. Zumindest ist das meine Meinung

    Antworten

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