Sommerredaktion mit Knalleffekt

Freiluft-Redaktion: In Pirmasens war die RHEINPFALZ im Café Exepresso zu Gast. (Foto: Martin Seebald)

Freiluft-Redaktion: In Pirmasens war die RHEINPFALZ im Café Exepresso zu Gast. (Foto: Martin Seebald)

Sommerredaktion: Das ist diese eine Woche im Jahr, in der wir die Redaktion nach draußen verlagern, in ein Café in der Innenstadt. In Pirmasens war es vergangene Woche soweit. Wir waren im Café Exepresso auf dem Exerzierplatz zu Gast. „Schön habt ihr’s hier“, hörte man hin und wieder, wenn Passanten an unserer Freiluft-Redaktion vorbeigelaufen sind. Und so manch einer dachte sich vielleicht: „Das nennen die Arbeit?!“ Aber, so schön es ist, mit den Menschen nicht am Telefon im Büro, sondern bei einem Kaffee in der Sonne zu sprechen. All die Gespräche müssen am nächsten Tag in der Zeitung stehen. Das heißt, das morgendliche Kaffeeschlürfen wird abends durchaus mit Überstunden bezahlt. Sei‘s drum.

Zum Auftakt der Pirmasenser Sommerredaktion hat es die RHEINPFALZ in diesem Jahr übrigens mal so richtig knallen lassen. Also weniger die RHEINPFALZ als vielmehr der Besitzer des Cafés Exepresso. Gerade waren die ersten Gäste eingetrudelt, da hallte eine Explosion über den Platz. Die Scheiben des Exepresso, das mit den großen Glasfronten ein bisschen an einen Wintergarten erinnert, wölbten sich nach außen. Stille im Café, zwei Gäste liefen besorgt ins Innere – um kurze Zeit später Entwarnung zu geben: In der Geschirrspülmaschine hat es eine Verpuffung gegeben, die Tür flog auf. Nichts passiert, außer, dass nun einige Zeit Handspülen angesagt war.

Wenn nicht gerade eine Spülmaschine in die Luft fliegt, lebt die Sommerredaktion aber von den Gästen. „Da kommen ja nur Promis vorbei“, beschwerte sich eine Leserin in der Redaktion. Und hat damit nicht völlig unrecht. Einige Gäste – Promis – werden tatsächlich persönlich eingeladen. Immer mal andere. Und insbesondere für die ersten Tage, denn da ist das Gros der potentiellen Sommerredaktionsgänger nämlich erfahrungsgemäß zurückhaltend.

Also verabreden wir uns beispielsweise mit Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit Verantwortung in der Stadt übernommen haben, bei der Verwaltung, in Firmen, im Sport. Da ist die Sommerredaktion eine tolle Gelegenheit, die „Neuen“ kennenzulernen. Martina Kuntze, die neue pädagogische Koordinatorin des Dynamikums, ist so jemand. Die Weinheimerin war am Montag bei uns, erzählte von ihrem ersten Eindruck von Pirmasens. Und von einem Urlaub in Ecuador. Im Regenwald war sie. Vom Gästehaus bis zum nächsten Ort dauerte die Fahrt eine Stunde, ihr Zimmer hatte keinen Strom, gekocht wurde bei Kerzenschein und mit Stirnlampen. Und die Toiletten? Plumpsklos, aber stets mit Rinde und Holzstückchen abgestreut, erzählt sie lachend. Es habe sogar ganz gut gerochen. Solche Geschichten erfährt man nur in der Sommerredaktion.

Zu den Gästen gehören auch Politiker. Mit denen haben wir das ganze Jahr über Kontakt. Im Café können wir mal über andere Dinge plaudern. Oder versuchen, unserem Gesprächspartner eine interessante Neuigkeit zu entlocken: CDU-Landtagsabgeordnete Susanne Ganster wird beispielsweise als Nachfolgerin für Landrat Hans Jörg Duppré gehandelt. Da wäre es doch schön, wenn sie ihre Kandidatur in der Sommerredaktion ankündigt. Um es kurz zu machen: Sie hat es nicht getan. „Ich habe mir gedacht, dass Sie mir nichts verraten und habe Sie trotzdem eingeladen“, sage ich. „Ich wusste, dass Sie fragen und bin trotzdem gekommen“, kontert sie lachend.

Seine Kandidatur fürs Landratsamt hat dann ein anderer Gast angekündigt. Er kam einfach so bei uns im Café vorbei, hatte ein Buch über Burgen und Zeit – sehr viel Zeit – mitgebracht. Die Burgen im Pfälzerwald gehören zu seinem Wahlprogramm, die müsse man endlich mal wieder herrichten. Am besten alle. Das kostet, klar. Dafür würde er dann eine Koffein-Steuer einführen. Er hat sich indes  schon  informiert, was man als Landrat so verdient. Damit könne er leben. 90 Minuten, etliche Zigaretten und einen Kaffee später hatte er uns seine Sicht der Dinge geschildert, über Pirmasens, den Landkreis und die Welt an sich.

Also, von wegen nur Promis! In Abwandlung eines Filmzitates aus „Forrest Gump“ kann man sagen: Die Gäste in der Sommerredaktion sind wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.

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