Im crossmedialen Spannungsfeld


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Wir Volontäre besuchen während unserer Ausbildung viele Seminare, darunter auch solche, die uns neue Formen aufzeigen, Leser mit unseren Nachrichten zu erreichen. Etwa das Crossmedia-Seminar oder das zu Datenjournalismus. Dort wurde die Zukunft des Nachrichtengeschäfts erklärt – oder das, was zurzeit für die Zukunft gehalten wird.

Crossmedia steht für das Zusammenschmelzen unterschiedlicher Darstellungsformen: Text, Bild, Video, Audio. Im Idealfall beherrscht man alles davon.

Datenjournalismus ist eine Unterkategorie davon: Mit gewissen Tools können Journalisten spröde Daten recht schnell in einer Art und Weise aufbereiten, sodass sie beim Leser Aufmerksamkeit erzeugen.

Hier ist nach wie vor der Gehirnschmalz der Redakteure gefragt, die die Tools benutzen. Welcher Aspekt des Datensatzes ist wirklich relevant für die Leser? Im Grunde ist Datenjournalismus nicht neu, nur die Hilfsmittel haben sich geändert.

In den Szenarien der Seminarleiter ist die gedruckte Zeitung oft nur noch eine von vielen Möglichkeiten, Informationen und Nachrichten zu veröffentlichen.

Beispiel für ein schnell erstelltes Diagramm.


Print und Online müssen zusammen wachsen

Es ist ein Spannungsfeld, in dem man sich als Volontär bewegt. Auf der einen Seite steht für uns auf dem Plan, die klassischen Handgriffe zu lernen, mit denen eine gute gedruckte Tageszeitung entsteht. Von vielen Journalisten wird das auch im digitalen Zeitalter noch leidenschaftlich vorgelebt.

Auf der anderen Seite steht das, was uns in den Seminaren verheißen wird. Hinterher ist man als Nachwuchsredakteur immer besonders motiviert, die gelernten Dinge auch umsetzen zu wollen. Man denkt an die ganzen Möglichkeiten, Geschichten digital zu erzählen und Daten so digital zu verarbeiten, dass Menschen sie schnell verstehen können.

In der Praxis gestaltet sich das schwierig. Die digitale Welt und klassischer Print-Journalismus sind noch nicht zusammengewachsen. Eines der größten Probleme war für die Branche bisher vor allem, dass Online-Journalismus nicht so ertragreich ist, gerade was das Anzeigengeschäft angeht. Es ist schwierig, in eine Sache viel Zeit und Geld zu investieren, die am Ende nicht so viel Ertrag einbringen wird, das ist klar.


Die New York Times macht mit Abos mehr Geld als mit Werbung

Es wird noch einige Zeit vergehen, bis es soweit ist, doch es zeichnen sich in der Branche erste Erfolge ab. Die New York Times veröffentlichte kürzlich, dass die eigenen Werbeeinnahmen zwar gesunken, im selben Zeitraum allerdings die Einnahmen durch Abonnenten gestiegen sind. Inzwischen verdient die Zeitung sogar mehr Geld mit ihren Abonnenten, als mit der Werbung. Das war für mich eine der überraschendsten Neuigkeiten auf dem Seminar zu Datenjournalismus.

Screenshot_NYT

Screenshot des New-York-Times-Artikels. Die Grafik zeigt wie sich das Verhältnis von Abo- zu Werbeeinnahmen umgekehrt hat.

Das Verhältnis zu Werbe- und Abo-Einnahmen hat sich hier umgekehrt. Zwar bringen die Abonnenten noch nicht so viel ein wie einst dank der Werbung eingenommen wurde, aber ein Aufwärtstrend zeichnet sich ab. Das Unternehmen nennt sich jetzt selbst ein „subscription-first business“ – also Abonnenten zuerst. Das ist bisher wahrscheinlich noch die große Ausnahme, zeigt aber, wie es laufen kann im digitalen Wandel.


Leser müssen die Abos wollen

Für Leser, die um die Unabhängigkeit des Journalismus fürchten, ist das eine gute Nachricht. Je mehr sich ein Medienunternehmen über die eigenen Abonnenten finanzieren kann, desto unabhängiger ist es von Werbepartnern. Das bedeutet aber, dass Leser dazu bereit sein müssen, Geld zu zahlen für journalistische Inhalte – auch online.

Wenn dies nicht der Fall ist, kann auch der beste Journalismus nicht bestehen, zumindest solange die Werbung im Online-Geschäft nicht ertragreicher wird.

Radikaler legen neuere Projekte dieses Prinzip aus, die dabei ganz auf Werbung verzichten, wie die 2014 gegründeten Krautreporter. Das heißt dann „Crowdfunding“ statt Abonnement, will im Grunde aber dasselbe wie die New York Times: eine dauerhaft stabile Finanzierung durch den Leser.

Dazu gehört auch, dass die Medien sich auf der digitalen Eislaufbahn sicher und selbstbewusst bewegen können und für die Leser attraktiv sind. Hier kommen die neuen Wege der Nachrichtendarstellung ins Spiel.


 

Andererseits gibt es Leser, die nicht in der digitalen Welt angekommen sind und dort auch nie ankommen wollen. In diesem Spannungsfeld zwischen Neuem und Altem stehen auch die Volontäre, die einerseits den traditionsreichen Print-Journalismus erlernen und gleichzeitig für die Zukunft gerüstet sein müssen.

 

 

 

 

 
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Stefan Heimerl

Über Stefan Heimerl

Volontär bei der RHEINPFALZ seit September 2016. Im nördlichen Harzvorland geboren, daher zwischen Fachwerkhäusern und Walpurgis-Tourismus aufgewachsen. Studierte Journalistik an der Hochschule Bremen, als das noch möglich war. Kam 2010 begeistert zurück von einem Auslandssemester in Japan und beschloss, einen Master in Japanologie in Frankfurt am Main zu belegen. Blieb dem Journalismus aber treu, sammelte weitere Erfahrungen, und ist hocherfreut, nun als Nachwuchs-Redakteur die Pfalz kennen zu lernen.

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