Spontan-Recherche auf dem Weg zum Mittagessen


Von

Ein Fahrzeug der Polizei ist am 13.06.2015 in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) im Einsatz. Foto: Jens Wolf/dpa

Blaulicht in der Innenstadt: Weil die Polizei dafür die Straße absperrte, hat die RHEINPFALZ mitbekommen, wie der 13-jährige Terrorverdächtige wieder weggebracht wurde. Foto: dpa

Freitagmittag: Ich bin gerade mit Kolleginnen auf dem Weg in die Mittagspause in der Ludwigshafener Innenstadt, als ich in ein paar Hundert Metern Entfernung blinkende Blaulichter erspähe. Was auch immer da gerade los ist: Es passiert vor einem Haus, vor dem ich am Dienstagabend schon einmal gestanden habe. Auf der Suche nach Zivilfahndern, die einen erst 13 Jahre alten Terrorverdächtigen bewachen.

Dass der mutmaßliche Bombenbastler wieder in der Wohnung seiner Eltern ist, hatte ich kurz vorher auf inoffiziellem Weg erfahren. Offizielle Stellungnahmen waren um diese Uhrzeit schon nicht mehr zu bekommen. Doch gelangweilt in einem Geländewagen herumsitzende Männer hatte ich tatsächlich entdeckt. Und mein Kollege Michael Schmid aus der Ludwigshafener Lokalredaktion bekam eine Bestätigung aus einer zweiten Quelle.

So konnten wir im Internet sofort und in der gedruckten RHEINPFALZ am nächsten Morgen berichten. In den nächsten Tagen versuchten Michael Schmid, unsere Mainzer Kollegin Karin Dauscher und ich,  gemeinsam mehr über die Gründe für die Rückkehr des Deutsch-Irakers herauszufinden. Und darüber, was nun mit ihm passieren soll. Immerhin geht es um einen Jungen, der eine Nagelbombe gebastelt und ein Attentat versucht haben soll.

Seit er im Dezember aufgeflogen war, hatten ihn die Behörden in verschiedene Einrichtungen gesteckt. Nun reagieren sie verschlossen. Immerhin fragen wir nach laufenden Anti-Terror-Ermittlungen. Und nach einem strafunmündigen Kind, für das besonders strenge Datenschutz-Regeln gelten. Trotzdem erfahren wir nach und nach mehr über die Hintergründe. Und wir bekommen mit: Der Junge soll schnellstmöglich wieder weggebracht werden.

Als ich nun das Blaulicht sehe, rufe ich den Kollegen noch schnell zu, was sie für mich bestellen sollen. Dann laufe ich los, renne beinahe gegen eine Autotür, die gerade aufgeht. Und stehe in dem Moment vor dem Haus, in dem der 13-Jährige und mehrere Männer herauslaufen. Für sie stehen Autos bereit, darunter eines, das mir bekannt vorkommt: Es sieht aus wie der Geländewagen, der schon am Dienstagabend vor dem Haus stand.

Nur hat er jetzt andere Kennzeichen. Als die Truppe davongebraust ist, steht neben mir noch ein weiterer Mann vor dem Wohnblock. Weil er einen Schreibblock in der Hand hat, frage ich ihn, ob auch er Journalist ist: „Kollege oder Behörde?“ Doch er antwortet zweimal nur mit „Hm!?“. Und knurrt nach dem dritten Mal: „Das geht Sie gar nichts an!“

Also verziehe ich mich. Ich rufe ich unsere Online-Redaktion an, um die Nachricht vom Abtransport des Jungen durchzugeben. Gehe dann tatsächlich essen. Und melde mich danach bei Michael Schmid und Karin Dauscher, um abzustimmen, was wir wo und wie berichten. Und wen wir jetzt anrufen. Freitagnachmittag: Die Recherche geht weiter.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.