Sympathisch chaotisch: Blick in die digitale Zukunft beim #33c3 in Hamburg


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Hackerkongress im Abendlicht

Hackerkongress im Abendlicht

Zwei Nachrichten aus Hamburg weckten mich an diesem Dienstag kurz vor Reiseantritt im Radiowecker: Hochwasser im Hafengebiet und der Start des 33. Chaos Computer Club-Congress (#33c3). Letzterer war am Abend mein Ziel, und ich habe es trockenen Fußes erreicht.

Sofort tauche ich in eine Welt ein, die ich in den letzten Jahren nur via Twitter aus dem Südwesten beobachtete. Was diesen Kongress von anderen unterscheidet: der lockere und herzliche Umgangston. Hier lotsen Technik-Experten, überwiegend in Jeans und T-Shirt, die bis zu 12.000 Kongress-Teilnehmenden, ebenso technikaffin, sympathisch durch das Programm. Im Hamburger Kongress-Zentrum CCH wird die Veranstaltung in diesem Jahr wohl zum letzten Mal stattfinden, denn das große Gebäude steht vor der Sanierung.

Das Team am Empfang hat schon einen langen Tag hinter sich, als ich eintreffe, trotzdem werde ich herzlich begrüßt. Ein kleines Komitee begleitet mich in den Pressebereich. Dort erklären sie mir die Regeln. Das Recht am eigenen Bild, so lerne ich schnell, steht an oberster Stelle. Klar, das Prinzip kenne ich auch aus dem Alltag, aber hier wird es besonders groß geschrieben, und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Auf dem Kongress heißt das ganz konkret: Erst fragen, nur bei Einwilligung fotografieren.

Die Eintrittskarte zum Hackerkongress #33c3

Die Eintrittskarte zum Hackerkongress #33c3

Gesichtserkennung in sozialen Netzwerken und Videoüberwachung sind Aspekte, um die es auf dem Kongress geht. Die technischen Möglichkeiten sind scheinbar grenzenlos, aber ist es immer sinnvoll, alles umzusetzen, nur weil es technisch möglich ist? Der bewusste und mündige Umgang und ein ständiges Nachdenken darüber beim Einsatz von sozialen Netzwerken, eine bewusste Medienkompetenz also ist es, die in Zukunft gestärkt werden müssen.

Vorsichtiger Umgang mit der Gerüchteküche

Das gilt genauso auch für den Umgang mit sogenannten Fake-News, die gerade in aller Munde sind. Aber so neu ist das Prinzip der im Netz verbreiteten Gerüchte nicht: Bereits 1994 machte die Nachricht die Runde, dass Microsoft die katholische Kirche gekauft habe, übrigens auch schon ein Thema auf dem CCC 1994. Darauf weisen @fraulutz und @raeuberhose in ihrem Vortrag „Bonsai Kitten waren mir lieber – Rechte Falschmeldungen in sozialen Netzwerken“ hin.

Die beiden betreuen im Netz das Projekt hoaxmap.org, eine Karte der Bundesrepublik, in der sie das Aufkommen von Gerüchten über Geflüchtete dokumentieren und diesen Gerüchten nachgehen.

Ein konkretes Beispiel von der hoaxmap macht deutlich, dass es unter Umständen gar nicht so schwierig ist, eine vermeinliche Nachricht zu hinterfragen: Im sächsischen Landtag fragte ein Abgeordneter im Mai 2016 nach einer angeblichen Vergewaltigung im Maxim-Gorki-Park und warum darüber nicht berichtet würde. Dabei gibt es in Sachsen gar keinen Maxim-Gorki-Park, eine Suchmaschine hätte helfen können.

Viele Netzaktivisten sprechen sich gegen gesetzliche Regelungen zu Fake-News aus. Zu groß sei die Gefahr einer Zensur. Stattdessen müsse jeder einzelne Nutzer selbstständig die Nachrichten, die ihm oder ihr in seiner Timeline begegnen, kritisch hinterfragen, eine Kompetenz, der in Zukunft eine große Bedeutung zukommt, so ein Fazit des ersten Kongresstages.

 

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