Unzufrieden mit der eigenen Arbeit


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Meine Kollegin Rebekka Sambale hat mir den Sonntagabend vermiest. Den Nachmittag über hatten wir gemeinsam versucht, mehr über den gewaltsamen Tod des Ludwigshafener Unternehmers Ismail Torun herauszufinden. Dass wir mit dem Ergebnis unserer Arbeit trotzdem nicht zufrieden sein könnten, schrieb sie mir über Facebook, als ich endlich daheim auf der Couch saß. Leider hatte sie recht.

Wegen einer Kommunikationspanne eines Kollegen steht in unserer Montagsausgabe, dass zum Totengebet für Torun vor einer Ludwigshafener Moschee ungefähr 200 Menschen gekommen seien. Tatsächlich dürften es etwa zehnmal so viele gewesen sein. Und mit einem genaueren Blick auf die Fotos hätte man das auch erahnen können. Aber statt uns die Bilder sorgfältiger anzuschauen, hatten wir uns darauf konzentriert, mehr über diesen mysteriösen Todesfall herauszufinden.

An Wochenenden sind solche Recherchen besonders schwierig. Denn wenn es um schwere Verbrechen geht, schickt die Polizei Journalisten immer gleich zur Staatsanwaltschaft. Aber die ist samstags und sonntags für uns unerreichbar. Wenn man die richtigen Leute erwischt, erfährt man trotzdem einiges. Nur man muss man sich überlegen, wen man überhaupt anrufen will. Und ob man trauernde Verwandte oder auch Freunde nicht besser in Ruhe lassen sollte.

Außerdem können auch vermeintlich brandheiße Informationen aus dem Umfeld eines Opfers falsch sein. Oder: Sie sind richtig, aber ihre Veröffentlichung könnte die Arbeit der Ermittler gefährden. Wir sind deshalb zurückhaltend mit dem umgegangen, was wir im Lauf des Sonntags erfahren hatten. Andere Medien haben am Montag ausführlicher berichtet als die RHEINPFALZ. Vielleicht hatten manche Kollegen bessere Quellen erwischt als wir. Vielleicht waren manche auch einfach dreister.

So oder so: Im Lauf des Montags haben wir endlich offizielle Informationen von der Staatsanwaltschaft bekommen. Und mit Ismail Toruns Sohn telefoniert. Auch Kollegen aus den Lokalredaktionen in Frankenthal und Bad Dürkheim haben Erkenntnisse beigesteuert, Artikel dazu lesen unsere Abonnenten in mehreren Lokalteilen der Dienstagsausgabe sowie auf der Südwest-Seite. Ich habe den Eindruck, diesmal können wir mit dem Ergebnis unserer Arbeit zufriedener sein.

 
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Christoph Hämmelmann

Über Christoph Hämmelmann

Er ist ein Pfalzreporter mit Migrationshintergrund: Christoph Hämmelmann ist in Unterfranken aufgewachsen, hat in Würzburg Theologie studiert. Seit 2003 schreibt er für die RHEINPFALZ. Redakteur war der 39-Jährige in den Lokalredaktionen Frankenthal und Ludwigshafen, seit 2014 gehört er zum pfalzweit zuständigen Team des Ressorts „Südwestdeutsche Zeitung“.

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