Was bedeutet Europa?


Von

Für mich ist es in erster Linie die Freiheit sich bewegen zu können. Egal ob ich nach Spanien, Schweden oder nach Bulgarien reisen möchte: Die Buchung eines Zug- oder Flugtickets und einer Unterkunft reichen. Umständliche Kontrollen, die Beschaffung eines Visums sind Vergangenheit. Und: Wir gehen in Sicherheit durch die Straßen. Bis jetzt. Dieser Geist ist auch in Brüssel rund um das Europäische Parlament und die Europäische Kommission zu spüren. Dorthin führte mich eine dreitägige Volontärsreise.
Ich mache mir im Vorfeld der Reise Gedanken zu Terrorwahrscheinlichkeit, zu den Anschlägen im vergangenen November. Zum ersten Mal in meinem Leben setze ich mich nicht einfach in den Zug und steige an meinem Ziel wieder aus. Ganz leugnen kann ich das mulmige Gefühl in der Magengegend am Tag der Anreise nicht. Der Satz in der Einladung „Es gelten überall erhöhte Sicherheitsvorkehrungen“ und der Hinweis überallhin einen Pass oder Ausweis schleppen zu müssen, tun ihr übriges.
Doch was dann am Bahnhof „Gare du Nord“ wartet ist alles andere als ein Schreckensszenario: Den in Flecktarn gekleideten Soldaten mit der Maschinenpistole am Gleisaufgang hätte ich fast übersehen – mehr sichtbarer Schutz ist erstmal nicht. Die Sicherheitschecks werden auch während der kommenden zwei Tage die Ausnahme bleiben. Außer bei Betreten der EU-Gebäude.
Dort steht zunächst der Besuch bei der Europäischen Kommission auf dem Programm: Handels- und Investitionspolitik, Migrationsstrategie oder europäisches Sicherheitskonzept (obwohl die EU die Mitgliedsstaaten bei diesem Thema maximal zum Mitmachen ermuntern kann, ansonsten ist es Ländersache) – viele Informationen, interessante Diskussionen, aber auch wenig Neues. Eines wird uns 25 Volontären aus Hessen, dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aber schon nach den wenigen Stunden klar: von der Idee Europa rückt hier keiner ab, zu groß der Wunsch das „Friedensprojekt“ weiterzutreiben.
Tag 2 und 3: Europäisches Parlament, hier sitzen sie also. Die von uns Bürgern gewählten Abgeordneten. Wir treffen gleich drei von ihnen zum persönlichen Austausch: „Greenhorn“ Julia Reda (Piratenpartei), den etwas knottrigen Rheinländer Herbert Reul (CDU) und Jutta Steinruck (SPD), bei der einen ein wenig „Heimatgefühle“ beschleichen können, stammt sie schließlich aus Ludwigshafen und möchte dort im kommenden Jahr Oberbürgermeisterin werden. Die Diskussionen machen besonders zwei Dinge deutlich: Ratlosigkeit beim Thema Populismus in Europa und auch beim Thema „Begeisterung für die europäische Idee wecken“ bleibt es eher bei Gemurmel und Allgemeinplätzen („Dank Europa haben wir Frieden. Das sollten die jungen Leute nicht vergessen.“) der Beteiligten.
Für mich steht nach drei Tagen EU und dem Besuch der Plenarsitzung, die bei mancher Verhaltensweise an einen Kindergarten für Erwachsene erinnert, fest: Ich möchte weiter so unbefangen durch die Straßen europäischer Städte laufen, mich frei über Grenzen bewegen wie es für mich und meine Generation ganz selbstverständlich ist. Dass das so bleibt, dafür sollten wir uns gegen die Populisten einsetzen!

 
Dieser Beitrag wurde unter Volo abgelegt am von .
Sara Brunn

Über Sara Brunn

Geboren in Kaiserslautern, ist Sara Brunn Westpfälzerin durch und durch. Seit 2015 ist sie Volontärin bei der RHEINPFALZ. Ausgestattet mit Block und Stift macht sie sich am liebsten auf zu den Sportplätzen dieser Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.