Wenn die Kirche in Urlaub ist


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Überraschende Meldungen gibt es immer dann, wenn alle in Urlaub sind. Zumindest im Bistum Speyer. Mieses Karma, könnte man da (ganz interreligiös) sagen. In den Weihnachtsferien 2015 jedenfalls teilte der Vorsitzende des Dombauvereins seinen Rücktritt mit. Die Pressestelle hatte frei, Mitglieder des Domkapitels erfuhren in ihrem Urlaub durch die RHEINPFALZ-Anfrage davon. Jetzt ist wieder Ferienzeit. Die meisten sind aus dem (Bistums-)haus. Und zack, passiert es wieder. Das Schicksal schlägt  zu, als hätte es nur darauf gewartet. Es ist halt doch ein mieser Verräter. Dieses Mal erreicht uns über eine Nachrichtenagentur die Meldung: Bischof Karl-Heinz Wiesemann ist erkrankt und vorzeitig vom Weltjugendtag im polnischen Krakau nach Speyer abgereist. Näheres dazu ist nicht bekannt. Nicht nur die Speyerer machen sich Sorgen um „ihren“ obersten Hirten, sondern auch Kollegen aus der Westpfalz fragen besorgt bei mir nach. Es wird doch hoffentlich nichts Ernstes sein?

Wir tun, was wir als Journalisten immer tun: recherchieren. Erste Anlaufstelle: die Pressestelle des Bistums. Keiner telefonisch erreichbar. Dann eben anmailen, denn die dienstlichen Mails lesen die Mitarbeiter auch, wenn sie nicht im Büro sind. Wieder Fehlanzeige. In seiner Abwesenheitsnotiz teilt der Pressesprecher mit, dass er Urlaub hat, seine Vertretung nächste Woche wieder erreichbar ist und in den zwei vakanten Tagen die Kollegin übernimmt, die für das Dom-Besuchermanagement und das Domkapitel zuständig ist. Also auf zur zweiten Anlaufstelle. Immerhin geht jemand ran, aber nicht besagte Kollegin. Die hat nämlich heute frei. Es ist die Praktikantin. Sie ist sehr freundlich und hilfsbereit, darf aber keine Statements abgeben. Immerhin verspricht sie, sich darum zu kümmern.

Währenddessen rufe ich Anlaufstelle Nummer drei an: die persönliche Referentin des Bischofs. Sie hat – man ahnt es schon – Urlaub.  Anlaufstelle Nummer vier, die Sekretärin des Bischofs nimmt ab. Sie kann zwar offiziell nichts sagen, aber die Handynummer der Pressereferentin der Deutschen Bischofskonferenz herausgeben und leitet gerne die Genesungswünsche an den Bischof weiter. Eben jene Pressereferentin (wir sind bei Anlaufstelle Nummer fünf) geht auch gleich ans Handy, liefert zwei, drei zitierfähige Sätze. Magere Ausbeute für einen Journalisten. Aber mehr ist an diesem Tag – zumindest aus Speyerer Sicht – nicht machbar. Da hilft auch kein Beten. Denn die meisten Domkapitulare sind in Urlaub. Die, die da sind (Anlaufstelle Nummer sechs), wurden gestern selbst überrascht von der vorzeitigen Abreise Wiesemanns und der RHEINPFALZ-Anfrage. Die übrigen Offiziellen, die zitierfähig sprechen dürfen (Anlaufstelle Nummer sieben), weilen derzeit noch auf dem Weltjugendtag in Krakau und wissen von nichts.

Ein Lauf von Pontius zu Pilatus… Mal schauen, was in den Herbstferien im Bistum Speyer passiert. Der liebe Gott jedenfalls hat anscheinend Sinn für Ironie und wenn es nur die des Schicksals ist.

 
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Rebecca Ditt

Über Rebecca Ditt

Rebecca Ditt ist seit 2011 Redakteurin im Stadtressort Speyer und hauptsächlich zuständig für die Themenbereiche Religion und Kommunalpolitik. Zuvor war sie Redakteurin in Bad Dürkheim. Schon in der Diplomarbeit an der FH Kaiserslautern, Standort Zweibrücken, drehte sich alles um die RHEINPFALZ, in dem Fall grob gesagt um Online und Redaktion. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Diplom-Betriebswirtin war sie zunächst Assistentin im Bereich "Kommunikations- und Führungstechniken" am FH-Standort Zweibrücken und hat die Einführungsvorlesungen gehalten. Dann lockte doch das Rheinpfalz-Volontariat.

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