Wie Helmut Kohl auch nach seinem Tod polarisiert


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Bekommt Lob, aber auch Kritik: RHEINPFALZ-Berichterstattung zum Tod Helmut Kohls. Foto: skz

Helmut Kohl polarisiert  –  zeitlebens und auch noch nach seinem Tod. Aus unserer Leserschaft erfahren wir einerseits viel Lob für unsere Berichterstattung und Kommentierung zum Tode des Kanzlers der Einheit und zur Diskussion über die Trauerfeierlichkeiten. Andererseits gibt es auch Kritik daran. Es zieme sich nicht, über den Streit zwischen Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter, und den beiden Söhnen Kohls öffentlich zu berichten. Das sei doch Privatsache, heißt es da zum Beispiel.

Tatsächlich tragen aber die Hauptbeteiligten ihre unterschiedlichen Positionen über die Öffentlichkeit aus. Maike Kohl-Richter hat die „Bild“-Zeitung als ihr Sprachrohr. Walter Kohl wendet sich an Presseagenturen und gibt Interviews.

Der Kohl-Vertraute und ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann öffnet in Ludwigshafen-Oggersheim im Haus des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) die Haustür für den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren in Oggersheim gestorben. Foto: dpa

Türhüter in Oggersheim: Der frühere „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann lässt den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann in den Kohl-Bungalow. Foto: dpa

Der frühere Chefredakteur der „Bild“, Kai Diekmann, berät Kohls Witwe. Bei Dieckmanns Hochzeit war Helmut Kohl Trauzeuge, und Dieckmann war Trauzeuge bei Kohls Eheschließung mit Maike Richter. Nicht das Kanzleramt verbreitete die Nachricht vom Tod Kohls. Die „Bild“ machte das, zu einem von ihr bestimmten Zeitpunkt, der andere Medien in erhebliche Schwierigkeiten brachte. „Bild“ lässt in ihrer aktuellen Berichterstattung jegliche kritische Distanz zu Kohl und dessen Witwe vermissen. „Bild“ versucht, die Trauermodalitäten im Sinne Maike Kohl-Richters zu beeinflussen. Das hat das Bundespräsidialamt, das Bundeskanzleramt und das Bundesinnenministerium in eine schwierige Situationen gebracht.

Dass ein Alt-Bundeskanzler und seine Witwe mit ihren persönlichen Vorstellungen von den Trauerzeremonien Bundesorgane so unter Druck setzen, ist, gelinde gesagt, ein ungewöhnlicher Vorgang, in dem mangelnder Respekt Kohls vor Institutionen des Bundes zum Ausdruck kommt. Und dass eine Zeitung, so wie „Bild“, jegliche journalistische Distanz aufgibt, schadet dem Ansehen der Medien insgesamt.  

 

 

 

 

 

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