Wie ich zu Hotel-Empfehlungen aus Mekka kam


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Das wichtigste Heiligtum der Muslime: Eine Mannheimer Firma organisiert Mekka-Pilgerfahrten, bei denen berüchtigte Islamisten wie Pierre Vogel die Reiseleiter sind. Foto: dpa

Am wichtigsten Heiligtum der Muslime: Eine Mannheimer Firma organisiert Mekka-Pilgerfahrten, bei denen berüchtigte Islamisten wie Pierre Vogel die Reiseleiter sind. Foto: dpa

Facebook überrascht mich bisweilen mit Werbung, bei der mir rätselhaft bleibt, was sie mit meinen Interessen zu tun haben soll. Aber immerhin weiß ich, warum mir derzeit Unterkünfte in Mekka angepriesen werden: Ich habe zu Pilgerfahrten recherchiert, bei denen berüchtigte islamistische Prediger als Reiseleiter zum Servicepersonal gehören. Wer sich die Angebote genauer anschaut, landet immer wieder bei einer Mannheimer Firma.

Dabei werden die unterschiedlichen Touren auf verschiedene Internet-Seiten und unter verschiedenen Marken angeboten. Wer zur Hauptpilgerzeit mit IME-Reisen an den heiligsten Ort des Islam fahren will, muss 4790 Euro ausgeben, logiert dafür aber ganz nah am Heiligtum im Fünf-Sterne-Mövenpick-Hotel. Und darf sich auf eine geistliche Begleitung freuen, die sich mit einer intellektuellen Aura schmückt. Denn als Reiseleiter ist Marcel Krass angekündigt, ein wegen islamistischer Umtriebe gefeuerter Ex-Berufsschullehrer. Er tritt gerne im Stil eines Wissenschaftlers auf. In den bayerischen Verfassungsschutzbericht 2015 (Seite 30) hat er es trotzdem geschafft, und auch andere Institutionen warnen vor ihm.

Ein Mannheimer Unternehmen engagiert den Islamisten Pierre Vogel als Reiseleiter für Pilgerfahrten nach Mekka. Foto: dpa

Radikaler Prediger und Reiseleiter bei Pilgerfahrten nach Mekka: der Ex-Boxer Pierre Vogel. Foto: dpa

Mit Bakkah-Reisen hingegen ist der fromme Trip im gleichen Zeitraum schon für 3990 Euro zu haben. Doch bei diesem Preis müssen sich die Kunden mit Gruppenzimmern in einem „Hadsch-Wohnhaus“ begnügen. Und auch die Betreuung dürfte rustikaler ausfallen: Als Reiseleiter ist der Ex-Boxer Pierre Vogel versprochen. Er bringt  seine islamistischen Botschaften in einem viel derberen Stil unters Volk. Außerdem soll noch ein weiterer Szenestar mitfahren, Abul Baraa. In seinen Predigten erklärt dieser Berliner Imam den Muslimen immer wieder gerne und temperamentvoll, wie sie mit ihren Frauen umzugehen haben.

Es gibt auch eine Querverbindung zu einer Hilfsorganisation

Dass hinter den beiden unterschiedlichen Angeboten die gleiche Firma steckt, lässt ich mit etwas Spürsinn im Internet herausfinden. Zu entdecken sind dort auch Querverbindungen zu der umstrittenen Mannheimer Hilfsorganisation IHED, die Behörden ebenfalls schon unter Islamismus-Verdacht gestellt haben. Aber am Ende habe ich mich doch noch ins Auto gesetzt und Adressen abgeklappert, die mit dem Geflecht in Verbindung stehen. Und ich habe mir Auszüge eines Urteils aus dem Jahr 2015 beschafft. Da verdonnerten Richter einen Stuttgarter zu viereinhalb Jahren Haft, weil  er sich in Syrien einer Islamisten-Miliz angeschlossen hatte. Was dieser Fall mit einer von Pierre Vogel und seinem Gesinnungsgenossen Sven Lau im Jahr 2013 geleiteten Pilgerfahrt zu tun hat, können Sie hier lesen.

Ich selbst werde übrigens auf eine Reise in die Wüstenstadt ganz unabhängig vom jeweiligen Reiseanbieter verzichten müssen – trotz der Facebook-Werbung für die Unterkünfte. Die saudischen „Hüter der heiligen Stätten“ würden mir das Visum verweigern. Denn Mekka ist für Nicht-Muslime eine verbotene Stadt.

 

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