Wie Journalisten den G20-Gipfel in Hamburg erleben


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Eine Mann sitzt am 06.07.2017 im Medienzentrum für Journalisten, das anlässlich des G20-Gipfels eingerichtet wurde, vor einem Bildschirm und liest eine Zeitung. Im Hintergrund ist die Ankunft von US-Präsident Trump und seiner Frau zu sehen. Am 07. und 08. Juli kommen in der Hansestadt die Regierungschefs der führenden Industrienationen zum G20-Gipfel zusammen. Foto: Christina Sabrowsky/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Für Journalisten ist beim G20-Gipfel in Hamburg ein Pressezentrum eingerichtet worden. Foto: dpa

Es wimmelt und wuselt. 4600 Medienschaffende texten, interviewen, diskutieren, denken (soll vorkommen!) – und warten. Auf internationalen Großveranstaltungen wie dem G-20-Gipfel derzeit in Hamburg ist das Journalistendasein ein Leben im Wartesaal. Warten auf die Sicherheitsüberprüfung, warten auf den Ausweis, warten auf den manchmal erlösenden Satz „Bitte versammeln Sie sich dort vorne!“, warten auf das Briefing, warten auf Godot.

Für publizistische Beobachter sind die 23.000 Quadratmetern Fläche im Internationalen Pressezentrum das Heim auf Zeit. Jeder richtet sich ein, so gut er kann. Ein Kollege aus Südafrika starrt unaufhörlich und seit Stunden auf einen der 231 Bildschirme. Es wird die Ankunft der Staatsgäste auf dem Hamburger Flughafen gezeigt – aus der Konserve in einer Endlosschleife. Was kann so interessant sein an Putin, Trump und Erdogan?

Auffällig die Kanadier. Die haben offenkundig ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Denn sie sitzen immer zusammen, markieren ihre Plätze mit den kanadischen Farben, schreiben (gefühlt) gleichzeitig ihre Texte und treten auch sonst im Rudel auf. Bei einer vorigen politischen Großveranstaltung, dem Nato-Gipfel in Warschau im Sommer 2016, haben sie zusätzlich Stofffähnchen auf ihre Tische gestellt. Das Nationalgefühl geht seltsame Wege.

Regelrecht verhaltensauffällig US-Journalisten. Rüpelhaft drängeln sie, schreiten wie selbstverständlich an Warteschlangen vorbei und verlangen arrogant Vortritt. America first, ganz so wie ihr präsidialer Sonderling im Weißen Haus. Heute morgen gab’s deswegen Schreierei. Ein deutscher Kollege schnaubte: „Steigt in Eure Air Force 1 und haut ab. Und nehmt bloß den Trump mit!“ Woraufhin die Luft voller F-Worte war. „Wir sind in gehobener Kampfesstimmung“, hat gestern EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker treffend gesagt, freilich in einem ganz anderen Zusammenhang. In Hamburg wird offenbar überall gekämpft.

Es ist ein sehr eigener und abgeschlossener Kosmos, das Internationale Pressezentrum. Es ist rundum die Uhr funktionsfähig. Verbunden mit der Welt da draußen mit 25 Kilometern Glasfaserkabel und 70 Kilometern sonstiger Kommunikationsleitungen. 30 Lkw haben die Medientechnik herangeschafft, 35 weitere die restliche Ausstattung. Damit sich alle verstehen können, steht ein Übersetzungsservice für 14 Sprachen zur Verfügung. Und der Kosmos ist autark: 3000 Kilogramm Fleisch wurden gebunkert, 2000 Brezeln, 5000 Sandwiches, 2500 Kilogramm Obst und Gemüse, 12.000 Desserts und zehntausende Liter Getränke. Aber keine Zigaretten …

 

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