Kafka & Ich. Zack Hitti Zopp. Über die Sommererzählreihe der RHEINPFALZ


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Sommer, endlich, wir fangen wieder an zu erzählen. Am Samstag, um genauer zu sein. Geschichten. Miniaturen. Minidramen. Schriftstellerinnen wie die Pfälzer Berlinerin Gabriele Weingartner, mit deren Text „Keine Rikscha in Prag“ wir die RHEINPFALZ-Sommer-Erzählreihe beginnen, schreiben wieder mit. Profis. Und Journalisten unserer Zeitung. Unter anderem ist das Debüt von Rolf Schlicher zu lesen, Ressortleiter Regionales der RHEINPFALZ, der eine Engelsflügelbüglerin aufscheinen lässt.

Die ersten Stories in der RHEINPFALZ handelten von einer Frau, die auf einem Bett saß, Wind im Haar, Blick durch das offene Fenster nach draußen. Dort der Strand. Oder von in sich gekehrten In-der-Bar-Hockern im Neonlicht. War das gestern, als Ausgabe eins der Sommererzählreihe zu den Bildern von Edward Hopper erschien? Nein, vor 21 Jahren. Kollegen, die beim Debüt dabei waren, Männer-Männer aus einer fernen Zeit wie Hannes Barth, Politik-Redakteur, Zigarette im Mundwinkel, protestantischer Arbeitsethos, katholisches Leben & stracks geraderaus, als gäbe es kein Morgen. Jetzt ist er schon ein paar Jahre tot. Doris M. Trauth, die Haare rot & sie immer Feuer und Flamme. Ja, es stimmt, ich Opa erzähle vom Krieg. Ich weiß aber noch, wie ich Hannes Barth ansprach mit meiner Idee & leicht elastischen Knien. Er fand das abwegig – als Journalist einen Schriftsteller zu mimen & sagte zu & sprach von Hemingway & den ersten Rowohlt-Bänden, die er nach dem Krieg gelesen hatte. Er nannte sie „gedrucktes Brot“. Seine Geschichte las sich dann ganz wunderbar.

Ich rief auch Ludwig Harig an, den berühmten Schriftsteller. Mit diesem jugendlichen Größenwahnelan rief ich an. Ob er mitmachen wolle bei einer RHEINPFALZ-Erzählreihe. Er kapitulierte saarländisch lachend vor dieser Unbedarftheit. Seither hatte ich einige Dichter_innen am Telefon. Hab‘ mich von einer zum anderen gehangelt. Von Harig zu Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino, der schon oft für uns geschrieben hat. Abgabe – im Gegensatz zu ungenannten Jungredakteurinnen – superpünktlich. Er fragt immer herzlich nach dem Befinden. Und von ihm zum hochdekorierten Speyerer Thomas Lehr, zu Julia Schoch, zu Monika Rinck aus Zweibrücken, die seit vielen Jahren immer wieder dabei ist, inzwischen Kleist-Preisträgerin. Ich warte noch auf ihren diesjährigen Text.

Der von Saskia Hennig-von-Lange, die im vergangenen Jahr den Brentano-Preis bekam, ist schon da. Eine Erzählung über die Fliehkräfte des Erwachsenwerdens. Ich glaube, mittlerweile kann es sein, dass es für einige selbst eine Art Auszeichnung darstellt, wenn sie bei RHEINPFALZ-Erzählreihe mitmachen dürfen. Bei den teilnehmenden Redakteur_innen zählt erst einmal vor allem Mut & Schnelligkeit. Ich starte, meist Ende Mai, einen Aufruf. Und wer zuerst zusagt, schreibt mit. Ich selbst habe im Übrigen noch nie eine Geschichte teilgenommen. Obwohl ja als eine der Haupt-Suizidmethoden unter Journalist_innen der Sturz aus der lichten Höhe abgelehnter Romanmanuskripte gilt. Und obwohl ich über klare Wettbewerbsvorteile verfüge.

Probiert hab‘ ich es schon. Natürlich insgeheim. Aber der erste Satz blieb meist ein Waise. Ein Einfall zeugte keine Nachkommen. Oder ich erinnerte mich daran, dass Kafka zum Beispiel schon gelebt hat.

Dieses Jahr aber soll es so weit sein. Rock’n’Roll. Es ist das Dada-Jubiläums-Jahr. „zack hitti zopp“ ist das Thema unserer Erzählreihe, eh klar. Konkreter geht es halt nicht. Ich habe es von einem anderen Pirmasenser, dem weltberühmtesten, den es gibt, Hugo Ball. Eine Zeile aus „Seepferdchen und Flugfische“. „zack hitti zopp / hitti betzli betzli / prusch kata / ballubasch / fasch kitti bimm“. So geht Balls Lautgedicht voran. Ich glaube, mein Text wird mit Kafka beginnen.

 
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Über Markus Clauer

Markus Clauer ist Altredakteur, figuriert aber als Jung-Dynamiker mit dem Titel Kulturreporter im Ressort Kultur und Gesellschaft. Sein erster RHEINPFALZ-Artikel, getippt auf einer Olivetti-Schreibmaschine, ploppte im Mai 1983 in der Pirmasenser Ausgabe der RHEINPFALZ auf und handelte von einem Dorffest in Gersbach, das nicht stattfand. Den Ort kennen auch nur Experten. Seither hat er viel über Literatur, Kunst, Architektur und Design geschrieben, Rubriken erfunden und laborierte ausdauernd am Scheitern. Manche meinen der Dadaismus sei Teil seiner DNS, dabei ist er lediglich in Pirmasens geboren. Das ist der erste Blog an dem er mitwirkt. Möglich, dass er jetzt eine zweite Karriere als Digital-Greis startet. Ein erster Vlog ist also zu erwarten.

Ein Gedanke zu „Kafka & Ich. Zack Hitti Zopp. Über die Sommererzählreihe der RHEINPFALZ

  1. Andrea Reinhardt

    Sehr geehrter Herr Clauer,
    wenn Sie doch noch viel mehr bloggen wuerden…
    (und auch Ihr Artikel heute, 7.10. in der Print Rheinpfalz ist wunderschön, viel mehr davon wäre wunderbar)

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