Zurück in die Heimat


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Das Volontärsleben besteht aus Reisen, eine Erkenntnis, die bereits meine Kollegin Sara Brunn hatte. Als Volontäre bei der RHEINPFALZ verbringen wir unsere zweijährige Ausbildung nicht nur in der Mantelredaktion im Ludwigshafener Hauptgebäude, sondern lernen über Monate hinweg auch mehrere Lokalredaktionen unserer Zeitung kennen. Manchmal führt der Weg dabei in pfälzische Gefilde, die man bisher nur von der Landkarte kannte. Manchmal, wie in meinem Fall, führt der Weg aber auch zurück in die alte Heimat.

Ich darf gerade Redaktionsvertretung in Zweibrücken machen, im saarländisch-pfälzischen Grenzgebiet also. Mein Elternhaus in Homburg ist gerade einmal 20 kurze Autominuten – oder 30 lange Busminuten – von der Redaktion entfernt. Vieles hat sich in den mittlerweile zehn Jahren, die ich nicht mehr hier lebe, verändert, angefangen beim Stadtbild bis hin zur Straßenführung.

Eines aber hat sich nicht verändert – und hat mir kürzlich schmerzlich einen Vorzug meiner alten Heimat in Erinnerung gerufen. Jedes Jahr am 15. August stößt man in Zweibrücken auf auffällig viele Fahrzeuge mit saarländischen und französischen Kennzeichen. Der Grund: Am 15. August ist Mariä Himmelfahrt, die Saarländer und Franzosen haben an dem Tag frei. Seit jeher pilgern sie an jenem Feiertag ins benachbarte Zweibrücken, zum Schlendern, Bummeln und – wie bei dem schönen Wetter gestern – zum Eis essen.

Seit einiger Zeit bemüht sich die Stadt Zweibrücken in besonderer Weise um ihre Gäste aus den Nachbarländern. In den vergangenen zwei Jahren versuchte man insbesondere die Saarländer mit dem „Zweebrigger Lyonerfeschd“ in die Rosenstadt zu locken. Da Mariä Himmelfahrt in diesem Jahr auf einen Montag fällt, dehnte man die „Saarländertage“ gleich auch aufs Wochenende aus.

Und so konnte ich auch gestern überall in der Innenstadt Gesprächsfetzen im Heimatdialekt (den ich nur passiv beherrsche) aufschnappen. Und wie ich die herumschlendernden, bummelnden, bei schönem Wetter Eis essenden Saarländer so betrachtete, wurden Erinnerungen wach. Erinnerungen an Zeiten, als der 15. August auch für mich ein Tag zum Schlendern, Bummeln und Eis essen war.

Gestern jedoch befand ich mich auf der anderen Seite – der der arbeitenden Pfälzer. Für unsere Zweibrücker Lokalausgabe befragte ich Saarländer auf der Straße, wie sie ihre freien Tage sonst noch verbracht haben. Und bekam ein bisschen Heimweh. Zuhause ist es manchmal doch am schönsten.

 

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