Bayerische Laute beim Redaktionsbesuch


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Rheinland-Pfaelzischen Wissenschaftsminister Dr. Konrad Wolf Wolf_1MH0546 *** Local Caption *** - copyright by : 03.05.17 / KUNZ / Martin H. Hartmann, Stuhlbruderhofstr 5, 67112 Mutterstadt, Germany. DE52545100670166623671, Tel.+49-(0)6234-4530 , presse@foto-kunz.de

RHEINPFALZ-Chefredakteur Michael Garthe (links) im Gespräch mit Wissenschafts- und Kulturminister Konrad Wolf (SPD).

Was lernt ein Bayer, wenn er in die Pfalz kommt als Erstes? Genau: Bayern und die Pfalz gehörten nicht nur lange Jahre zusammen, sondern wurden sogar von den Wittelsbacher regiert. Das Herrschergeschlecht kam im 18. Jahrhundert aus Zweibrücken nach München. Wie wichtig, das bis heute für die Zweibrücker ist, erzählte der rheinland-pfälzische Wissenschafts- und Kulturminister Konrad Wolf (SPD)  am Mittwoch beim Redaktionsgespräch der RHEINPFALZ.

Wolf ist selbst Bayer. Er stammt aus Regensburg, lebte dort die ersten 35 Jahre seines Lebens. Später verschlug es ihn nach Dresden, mittlerweile lebt er in Zweibrücken. Die Pfalz hat er schätzen gelernt. Den Zungenschlag seiner neuen westpfälzischen Heimat beherrscht er aber (noch) nicht. Stattdessen ist ihm immer noch das Regensburger Idiom anzuhören. Er gibt sich offenbar wenig Mühe, den bayerischen Zungenschlag zu verbergen. Falls doch gelingt es ihm nicht sonderlich gut.

Wolf ist ein sympathischer Mensch. Zum Gespräch erscheint er leger gekleidet, im Sakko ohne Krawatte. Nach eigener Aussage redet er gern. Das ist für Journalisten nicht ganz einfach. Sie haben es gerne kurz und knackig. Am besten in einem Hauptsatz, der sich mühelos zitieren lässt. Wolf macht es den Kollegen diesbezüglich nicht gerade leicht bei seinem zweieinhalbstündigen Besuch. Er kann nicht nur nicht verbergen, dass er Bayer ist, sondern noch viel weniger, dass er durch und durch Wissenschaftler ist. Bevor er Minister wurde, war er Hochschulpräsident in Kaiserslautern. Der Physiker erklärt gerne. Kurze Sätze gehören eher nicht zu seinen Stärken.

Das Gespräch wechselt von der aktuell diskutierten Leitkultur (Wolf:“Da bin ich eher skeptisch“) über seinen Wechsel von der Wissenschaft in die Politik bis hin zu Themen wie Bildungsgerechtigkeit. Deutlich emotionaler wird das Gespräch als sich die Kollegen aus der Kulturredaktion einklinken. Es entwickelt sich ein lebhafter Austausch über Kulturpolitik, was sie soll, kann oder gar muss. Journalisten täuschen bisweilen gerne Wissen vor, locken Gesprächspartner auf eine Fährte, um ihnen dann eine Neuigkeit zu entlocken. Politiker kennen das Spiel. Wolf durchblickt die Finten der Fragesteller. Allgemeines Lachen. Dann geht es weiter: Wie sieht es aus bei der Staatsphilharmonie, wo zwischen Teilen des Orchesters und der Intendanz gewisse Dissonanzen zu spüren sind? Sollte die Kulturpolitik in Rheinland-Pfalz sich stärker als bisher auf Sponsoren und Mäzene verlassen? Sind Investitionen in kulturelle Veranstaltungen eine Pflichtausgabe oder eher als freiwillige Leistung zu werten? Braucht Rheinland-Pfalz wieder einen Staatssekretär, der ausschließlich für kulturelle Belange zuständig ist? Auf die meisten Fragen hat Wolf ausführliche Antworten parat.

In einem Punkt fasst er sich aber unmissverständlich kurz:  Wie war das noch mal mit den Pfälzern und den Bayern, Herr Minister? „Wenn man das nicht weiß, ist es das Erste, was man in Zweibrücken lernt.“

 
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Andreas Ganter

Über Andreas Ganter

Kürzel: gana, Jahrgang 1982, überzeugter (Saar-) Pfälzer, studierter Politikwissenschaftler und Theologe. Hat seit 2014 im Ressort „Südwestdeutsche Zeitung“ verstärkt seine Heimat – die Westpfalz – im Blick. Als er begonnen hat für die RHEINPFALZ zu schreiben, galt noch die Devise: "Print first". Beim Wahlzeit-Blog der RHEINPFALZ hat Ganter erfahren, dass bloggen genau so viel Spaß machen kann, wie einen Artikel für die Print-Ausgabe zu verfassen. Fast.

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