Bildungsministerin ohne Spickzettel

Ludwigshafen, Die Rheinpfalz Redaktionskonferenz Bildungsministerin RLP Dr. Stefanie Hubig (SPD) *** Local Caption *** - copyright by : 27.03.17 / KUNZ / Ralf Moray, Stuhlbruderhofstr 5, 67112 Mutterstadt, Germany. DE52545100670166623671, Tel.+49-(0)6234-4530 , presse@foto-kunz.de

„Eine Schulreform werde ich sicher nicht anstoßen“ – Bildungsministerin Stefanie Hubig im RHEINPFALZ-Redaktionsgespräch. Foto: Kunz

Es gibt in der Politik ja spätestens seit Altkanzler Helmut Schmidt die Menschen mit Visionen, und solche, die das Regieren und Gestalten eher unaufgeregt als Handwerk betreiben. Stefanie Hubig (SPD) gehört vermutlich eher zur zweiten Kategorie. Zumindest war das ein Eindruck, der am Montag beim RHEINPFALZ-Redaktionsgespräch mit der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin entstehen konnte.

Das mag daran liegen, dass es die gebürtige Frankfurterin nie wirklich nötig hatte, mit eingedampften Inhalten im Slogan-Format lauthals für sich zu werben. Ihr Weg in die Politik ging nicht über Wahlkampfauftritte und Parlamentsmandate, sondern direkt aus dem Job als Staatsanwältin in diverse Ministeriumsreferate auf Bundes- und Landesebene. Die 48-jährige ist eher eine, die akribisch Probleme abarbeitet und keine, die aus ideologischem Antrieb neue schaffen möchte. „Ich werde sicher keine Schulreform anstoßen“, sagt sie beispielsweise mit Nachdruck.

Genug zu tun hat sie auch so schon. Das sagt sie selbst mit einem Augenzwinkern – angesprochen auf den nach der Wahl verkleinerten Zuständigkeitsbereich ihres Ministeriums -, das wird aber auch in der Diskussion mit den RHEINPFALZ-Redakteuren deutlich. Der Koalitionsvertrag gibt einiges vor, zudem ist Bildungspolitik traditionell ja auch ein emotional diskutiertes Thema, von dem sich irgendwie alle immer ganz besonders betroffen fühlen. Schüler und Lehrer sowieso, seit einiger Zeit aber auch stärker die Eltern.

In den fast zwei Stunden des Redaktionsgesprächs in Ludwigshafen geht es um eine ganze Reihe drängender Fragen der Schulpolitik: Wie den Unterrichtsausfall im Land in den Griff bekommen? Was tun gegen Lehrermangel? Wie die Anzahl der kleinen Grundschulen reduzieren, ohne manche Dörfer vollends abzuhängen? Und, war die zentrale Matheaufgabe im Abitur jetzt eigentlich wirklich zu schwer? – (Die Antwort könnte Teile der besorgten Eltern verunsichern).

Wer mit Hubig über bildungspolitische Fragen spricht, der bekommt kein parteiideologisch geprägtes Allheilmittel präsentiert, sondern eine detailreiche Aufdröselung aller Punkte, die es bei der Lösung der Probleme zu berücksichtigen gilt. Die promovierte Juristin gibt offen zu, dass manche Vorhaben durchaus schwierig durchzubringen sein werden. Das Kita-Gesetz? „Ein wirkliches dickes Brett, das es da zu bohren gilt.“ Gleichzeitig spürt man aber auch ihre langjährige Erfahrung in zähen Verhandlungen hinter der Bühne und ihre Entschlossenheit, die Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag plichtbewusst umsetzen. Disziplin hat sie schließlich auch auf ihrem eigenen Bildungsweg an den Tag gelegt. „Ich hab‘ mich weder in der Schule noch beim Staatsexamen getraut, Spickzettel zu benutzen“, gesteht sie. Ob dieser nüchterne Politikansatz letztlich auch der effektivere sein kann, lässt sich erst nach der Legislaturperiode beurteilen. Spätestens bei der nächsten Landtagswahl würde sie sich mit ihren Ergebnissen dann aber auch als Wahlkämpferin beweisen müssen.

 

 

Ein Gedanke zu „Bildungsministerin ohne Spickzettel

  1. AvatarIngrid Dreier

    Sehr geehrte Redaktion, ich finde Ihre Beiträge oft interessant, wenngleich mir im Bildungsbereich eine fundierte und umfassende Berichterstattung fehlt. Es wäre sicher eine Recherche wert, zu berichten, wie es z.B. in Grundschulen aussieht, speziell in Brenntpunktschulen wie in Mundenheim, andererseits in Zwergschulen, die es ja häufiger im Bereich Mayen-Koblenz gibt oder Grundschulen im ländlichen Bereich.
    Der Schulalltag für die dort jeweils unterrichtenden Lehrer könnte unterschiedlicher nicht sein, bei gleichem Gehalt. Es wäre auch eine Möglichkeit, dass sich Frau Hubig vor Ort die Situationen anschaut und sich ein Bild macht.
    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort
    mit freundlichem Gruß
    Ingrid Dreier

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