Brandheiß: Silvester feiern bei der Feuerwehr Landau


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Silvester in einer Feuerwache zu verbringen, ist ja ein Quasi-Garant für aufregende Geschichten. Mit einem Großbrand in Landau-Queichheim und einem Heiratsantrag hatte ich dann aber doch nicht gerechnet.

Der Silvesterabend 2016 fängt an wie bei Vielen anderen auch – bei Raclette und Wein. Partylocation ist der Keller der Landauer Feuerwache, wo ich mit einem befreundeten Feuerwehrmann, dessen Kollegen und gemeinsamen Freunden feiere. Es versteht sich von selbst, dass die alkoholischen Getränke denen vorenthalten bleiben, die offiziell Dienst haben oder als Fahrer der großen Einsatzwagen im Fall der Fälle ran müssen.

Der erste Notruf kommt gut zwei Stunden vor Mitternacht. „Achtung, Einsatzalarm“, erklingt nach einem Dreifach-Gong eine Frauenstimme aus den Lautsprechern. Die Feuerwehrmänner und zwei Frauen springen auf und eilen aus dem Raum. Keine halbe Stunde später sind sie wieder zurück. Eine brennende Markise im Süden der Stadt haben die Anwohner selbst löschen können.

Um Mitternacht wird auf das neue Jahr angestoßen, geböllert, werden Raketen in den Himmel geschossen, das Übliche eben. Allerdings immer mit einem etwas neidischen Seitenblick auf den Nachbarn schräg gegenüber der Wache – denn sein Feuerwerk ist weit größer und bunter als das der Wehrleute. Nächstes Jahr soll sich das wieder ändern.

Zurück im Warmen dann die Überraschung: Eine der Feuerwehrfrauen hat um Mitternacht einen Heiratsantrag mitsamt Verlobungsring von ihrem Freund bekommen – und ja gesagt! Ihr Glück können die Frischverlobten aber nur eine gute halbe Stunde genießen, bis erneut der Alarm losgeht. Am liebsten würde die verliebte Feuerwehrfrau ja hier bleiben. Aber keine Chance. Spätestens, als der Alarm ein zweites und drittes Mal ertönt, wird allen klar: Das muss was Größeres sein.

Oben treffen im Sekundentakt immer mehr Feuerwehrmänner ein, schmeißen sich in volle Schutzmontur, warten auf Anweisung. Das erste Löschfahrzeug ist bereits vor ein paar Minuten weg. Mit dem Feuerwehrauto fahren darf ich nicht, vor allem aus Versicherungsgründen. Auch sonst sehe ich in dieser Nacht keine Möglichkeit, ans andere Ende von Landau zu kommen. Ein Taxi zu kriegen ist utopisch, selbst zu fahren … nun ja … nicht mehr möglich.

Der Raum der Einsatzleitstelle ist leider abgeriegelt, da kommt nur Personal rein. Trotzdem sickert durch, dass es auf dem Gelände einer Kunststoff-Firma im Industriegebiet Kleiner Sand in Landau-Queichheim lichterloh brennt und das Feuer kaum zu kontrollieren ist. Der RHEINPFALZ-Fotograf macht sich auf den Weg, dem Landauer Lokalchef Sebastian Böckmann gebe ich Bescheid, dass wir die Montagsausgabe wohl umplanen müssen.

Und dann heißt es abwarten. Nicht gerade meine Stärke. Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch, der schon bald in der Wache eintrifft, verpasse ich um ein paar Augenblicke. Da bleibt erst mal nur, der Schnellen Einsatzgruppe Verpflegung der städtischen Feuerwehr die Tür zur Wache zu öffnen.

Weil hier so schnell nix mehr passiert und das Löschen des Brandes wohl noch eine Weile dauert, so die Erfahrung nach dem Großbrand im August beim Holzfachhandel Wickert in Landau, gehen wir restlichen Feiernden um drei Uhr nach Hause. Drei Stunden später haben dann auch die 150 Feuerwehrleute aus Landau und den umliegenden Verbandsgemeinden endlich Feierabend.

Nach einer reichlich kurzen Nacht gehe ich am gleichen Vormittag in die Redaktion. Endlich kann ich die Pressebeauftragten von Kripo und Feuerwehr sowie den Geschäftsführer der geschädigten Firma mit meinen Fragen löchern. Und die verlobte Feuerwehrfrau kann ich dazu überreden, ihre Liebesgeschichte veröffentlichen zu dürfen. Für all das verzichte ich gerne auf einen freien Sonntag.

Nachdem am Montag mein großer Bericht erschienen ist, treffe ich mich am späten Nachmittag spontan mit Michael Maul, Geschäftsführer der Kunststoff-Firma IKT Systems, in der Brandruine. Wie es dort aussieht, wie Maul den Schaden einschätzt und wie weit die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen zur Brandursache ist, lesen unsere Abonnenten am Mittwoch in der Südpfalz-Ausgabe der RHEINPFALZ oder auf ihrer Internet-Seite.

 

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