Kleine Mosaiksteine zum großen #hahngate


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Mit den Sommerferien beginnt für die politischen Korrespondenten in Mainz normalerweise die Zeit, in der sie Themen aufgreifen, die nicht an den Tag gebunden sind. Aber #hahngate verändert alles. Das Regierungsviertel bleibt betriebsam. Weder Ministerpräsidentin Malu Dreyer noch Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) erlauben sich richtigen Urlaub. Einige Beamte mussten dem Vernehmen nach ihre Ferien ebenfalls verschieben.

Zu der hektischen Suche nach einem neuen Käufer  für den wirtschaftlich extrem schwächelnden Flughafen Hahn gesellt sich eine PR-Offensive. Journalisten werden ganz „entre nous“ die Kontaktdaten des früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Unternehmensberaters mit China-Kompetenz, Rudolf Scharping (SPD), angeboten. Mit dem dezenten Hinweis, er sei offen für Gespräche. Für das „Handelsblatt“ schrieb Scharping sogar einen Gastbeitrag, erschienen am Dienstag. Darin werden die KPMG-Berater, die das Land für den Verkauf des Flughafens engagiert hatte, als schludrig und unfähig dargestellt, kurz: als Vollpfosten. Parallel verschickt das Innenministerium eine Pressemitteilung, in der die Regierung  die Antworten auf eine Kleine Anfrage der AfD selbst unter die Leute bringt: 6,25 Millionen Euro hat KPMG seit 2012 für die Beratung kassiert. Viel Geld, aber kein Käufer.

Rudolf Scharping beim Politischen Aschermittwoch der rheinland-pfälzischen SPD 2015 in Frankenthal

Möchte gerne wieder gefragt sein: Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Wirtschaftsberater und China-Experte Rudolf Scharping, der früher auch mal was mit Politik gemacht hat.

All das landet auf meinem Schreibtisch, von den Kollegen, die in Ludwigshafen für die Südwestseiten zuständig sind, kommt die kurze Frage: „Was machen wir damit?“ Und natürlich, wir machen etwas damit. Die Kollegen schlagen Platz auf der Seite frei, ich schreibe. Wir sind eingespielt. Läuft. Dabei beschäftigt mich seit Tagen etwas ganz anderes. Ich habe Hinweise erhalten, dass sich die Landesregierung keineswegs nur auf KPMG verlassen hat, sondern den eigenen Geheimdienst, den rheinland-pfälzischen Verfassungsschutz, eingeschaltet hat. Außerdem erfahre ich, dass dem Ministerrat der neuen Ampelregierung vor seiner ersten Kabinettsitzung ein chinesischer Investor als Geldgeber für die Käufer genannt wird, dessen Name nie öffentlich wurde.

Die journalistische Neugierde  ist geweckt. Detail für Detail frage ich ab und erstelle mir erst einmal eine Chronologie. Ich lese Plenar- und  Ausschussprotokolle nach, natürlich die RHEINPFALZ-Berichte, die darüber erschienen sind, und  ich muss Wege zu den Informationen finden, die das Land der Öffentlichkeit vorenthält. Zum Beispiel die Namen der Personen, die KPMG im Zusammenhang mit dem angeblichen Käufer aus Schanghai überprüft hat. Es ist ein mühsames Geschäft, aber es lohnt sich. Am Ende fügen sich die vielen Mosaiksteine zu einem Bild, das ich für die Leserinnen und Leser in der heutigen RHEINPFALZ  beschrieben habe.

Der Link im letzten Satz führt zu dem ausführlichen Hintergrundartikel „Der große Bluff“ auf der RHEINPFALZ-Homepage. Mit einem Digitalabo können Sie sich diesen Artikel zum Lesen freischalten. Das Wichtigste zum Thema #hahngate, Stand 21. Juli, finden Sie in diesem frei zugänglichen Artikel aus der Ausgabe vom Donnerstag, dem 21. Juli, und in unserem Online-Dossier. Auch dort sind einige Artikel nur mit Digital-Abo zugänglich. Außerdem haben wir Karin Dauschers Kommentar zur Hahn-Affäre frei zugänglich gemacht.

 

2 Gedanken zu „Kleine Mosaiksteine zum großen #hahngate

  1. Krabbler

    Das war übrigens ein toller Artikel. Hat Spaß gemacht, zu lesen.
    So wie es aussieht, kann man sich wohl auf eine Fortsetzung freuen?

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  2. frohgemut

    die alleinige schuld jetzt auf die kpmg abzuwälzen ist ein armutszeugniss,den die landesregierung hat ihre aufsicht und kontrollpflicht vernachlässigt-auch hat man den prüfvertrag offenbar so gestaldet das eigentlich nur eine oberflächliche überprüffung durchgeführt werden soll,seltsam ist auch das die kpmg nach der nürburgring pleite wieder genommen wurde-hat man diese gesellschaft genommen weil man mit ihr unsaubere geschäftsziele verfolgen kann?und wieso wurde von der landesregierung nicht ein eigenes projekt ins spiel gebracht?von einer ehemaligen sozialministerrin die den hahn zu ihrem persönlichen anliegen machte hätte man dies erwarten können,den wenn man schon ein geschäftsmodell verfolgt das auf kosten der rheinlandpfälzer steuerzahler geht dann hätte man auch ein eigenes projekt ins spiel bringen können-es sollte ein schulungsprojekt für flüchtlinge sein um sie auf die gepflogenheiten in der deutschen gesellschaft vorzubereiten,und das personal auf dem hahn hätte man zum schulungspersonal umschulen können und so hätte man einen beitrag zur entschärfung der flüchtlingskrise beitragen können-es ist aber immer einfacher nach geld zu rufen als selbst tätig zu werden,das jetzige amt überfortert anscheinend die ehemalige sozialministerrin-

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