Lieber Kloster als Schlafzimmer


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Ein wenig um die Ecke gedacht, aber trotzdem naheliegend – so ungefähr war mein erster Eindruck, als mir Kollege Rolf Schlicher von seiner Idee für eine neue Serie in der RHEINPFALZ erzählte. Rolf  ist nicht nur Leiter des Südwest-Ressorts, sondern auch Aktivposten im Pfälzerwald-Verein Hambach. Sein profundes Wissen über spannende Orte in der Pfälzer Natur findet sich regelmäßig in unserer Zeitung wieder, zum Beispiel in einer Reihe, in der attraktive Plätze für ein Picknick vorgestellt wurden oder bei den Ausflugstipps zu Ostern. Dieses Mal sollte es wieder raus aus den Büros gehen, jetzt aber, um Weine an besonderen Orten zu verkosten. Auch davon gibt es ja in der Pfalz reichlich gute, über die ich hobbymäßig auf meinem Pfälzer Weinblog schreibe. Der Clou bei Rolfs Idee: Plätze unter freiem Himmel zu finden, für die es daheim eine Entsprechung gibt. Denn wir probieren denselben Wein drinnen und draußen, wobei die beiden Orte eine Verbindung zueinander haben sollten. Tatsächlich können die Umgebung, die dort herrschenden Gerüche und sogar die eigene Stimmung Einfluss darauf haben, wie wir einen Wein wahrnehmen.

Neun Kilometer, und dann ist die Couch aus Stein

Doch vor das Vergnügen hat irgendwer den Schweiß gesetzt. Ziel unserer ersten Wanderung ist ein Felskanapee im Wald oberhalb des Bad Dürkheimer Ortsteils Leistadt, eine von mehreren steinernen Kuriositäten entlang eines historischen Rundwanderwegs. Während Rolf und ich mit Rucksäcken nur mäßig beladen sind, plagt sich unser Fotograf Uli Büttner mit seiner Ausrüstung auf dem etwa neun Kilometer langen Weg da schon stärker ab. Hilfe will er aber keine annehmen. Ob ihn der Anblick des Kanapees so mitten im Wald für seine Mühen entschädigt hat? Denn das Möbelstück aus Pfälzer Sandstein, das zu einer Einsiedelei gehört haben soll, mutet schon recht kurios an. Zu Ulis Leidwesen steht eine stattliche Birke ziemlich mittig vor dem Felsmöbel. „Rolf, pack schon mal die Säge aus“, scherzt unser Fotograf. Aber nix da: die Birke bleibt stehen Doch die richtige Perspektive für die Bebilderung des Artikels zu finden, ist ein Thema, das uns auch bei den nächsten Touren begleiten sollte.

Alexander Sperk und Rolf Schlicher beim Weinverkosten auf dem "Felskanapee" bei Leistadt

Brainstorming auf dem echten Kanapee

Die Entsprechung zum Felskanapee steht in Rolfs Wohnzimmer. Eine klassische Oma-Couch mit Blumenmuster, in der man so richtig gut versinken kann. An die Weinprobe und das Fotoshooting schließen sich Manöverkritik und Brainstorming mit Rolfs Frau und seinem Sohn an. Finden wir genügend Ziele draußen, die sich mit Plätzen drinnen sinnvoll kombinieren lassen? Oder ist die Idee vielleicht doch zu kompliziert? Mein Vorschlag, eine besonders harmonische Landschaft in der Pfalz mit einem Glas Wein in einem Musikzimmer zu verbinden, fällt bei der Runde ziemlich klar durch. Die Kombination „Klosterruine mit Schreibstube“ und „häusliches Arbeitszimmer“ findet dagegen Zustimmung. Auch für einen Turm mit Rundumsicht, Treppen oder eine Feuerstelle sollten sich drinnen Entsprechungen finden lassen, so die einhellige Meinung. Tabu ist für Rolf wie für mich das Schlafzimmer als Verkostungsort. Da gehen wir doch lieber ins Kloster.

Rolf Schlicher und Alexander Sperk beim Verkosten von Rotwein auf Schlichers heimischer Couch

Fotos: Uli Büttner

 
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Alexander Sperk

Über Alexander Sperk

Alexander Sperk, Jahrgang 1977, hat nach dem Studium (Politikwissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft und Öffentliches Recht) bei der RHEINPFALZ volontiert. Nach Stationen in den Lokalredaktionen Grünstadt und Ludwigshafen arbeitet er seit 2009 im Büro Chef vom Dienst. Dort geht es vor allem um Planung und Koordination. Redaktionell ist er für die Seite Wissen verantwortlich, die immer dienstags erscheint. Der überzeugte Pfälzer beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Bloggen über Wein, wenn er nicht gerade mit seinen beiden kleinen Töchtern irgendwo auf einer Kerwe oder im Pfälzerwald unterwegs ist.

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