Presserecht: „Das hab‘ ich doch gar nicht gesagt“


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Blick vom Hotelbalkon. Nicht im Bild: Volos, Riesling.

Blick vom Hotelbalkon über die Rheinebene. Nicht im Bild: Volontäre, Riesling. (Foto: Graf)

Gegendarstellung. Zum vorliegenden Text auf dem Rheinpfalz-Blog stelle ich fest: Ich war gar nicht auf dem Presserechtseminar für Volontäre in St. Martin.

Wie bitte? Ist der Autor etwa am Wochenende ins Dürkheimer Wurstmarktfass gefallen? Temporärer Gedächtnisverlust, Riesling-induzierte Amnäsie? Keine Sorge, da oben scheint alles noch ganz gut zu funktionieren. Auch wenn vier Tage Volontärsseminar zum Thema „Presse- und Medienrecht – Ethik – Presserat“ inmitten von Weinbergen natürlich ihren Tribut gefordert haben. Gehört ja angeblich zum Berufsklischee. Beim Spiegel sind sie offenbar früher ab 16 Uhr mit den Weinflaschen herumgelaufen.

Klischees sind ja oft ein bißchen lustig aber meistens auch nicht ganz korrekt. Dass Redakteure eines hochseriösen Magazins nachmittags rotweinschwenkend ihre Texte bearbeiten, klingt einerseits verführerisch nach Hemingway an der Schreibmaschine, ist aber andererseits auch ziemlich bedenklich. Womit wir auch schon beim Thema wären: ethische und rechtliche Schranken, Pflichten aber auch Freiheiten des Journalismus.

Ein wichtiges Thema. Die öffentliche Kritik an Journalisten nimmt zu – vielleicht werden die einzelnen Kritiker verstärkt durch die sozialen Netzwerke aber auch nur lauter, so genau kann man das nicht auseinanderhalten. Manchmal ist sie berechtigt, häufig jedoch polemisch. Das beste Mittel jedenfalls um dieser Debatte selbstbewusst und selbstkritisch zu begegnen, ist zu wissen, was man als Journalist darf, was man sollte, was man besser bleiben lässt und wo ganz klare Grenzen sind.

Zu lesen gab's genug. rechts unten entsteht gerade ein Meisterwerk der Schulheftmalerei. (Foto: Graf)

Zu lesen gab’s genug. Rechts entsteht gerade ein Meisterwerk der Schulheftmalerei. (Foto: Graf)

Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte, Informationsfreiheitsgesetz – der Paragrafendschungel, durch den uns Referent Kurt Braun, Rechtsanwalt für Presse- und Medienrecht und nebenberuflich Fachmann für charmante ruhrpöttlerische Pointen, führte, war dicht und manchmal verwirrend. Aber wenn man am Ende herausgefunden hatte, dann fühlte man sich gestärkt für den Berufsalltag, für die täglichen Entscheidungen, die man oft unter Zeitdruck treffen muss, und die am nächsten Tag dann von Hundertausenden Lesern beurteilt werden.

Wo das Recht aufhört, fängt die Ethik an. Nicht alles, was man dürfte, sollte man auch bringen. Wer glaubt, dass eine Zeitung gegen die ethischen Prinzipien der Zunft verstoßen hat, kann Beschwerde beim Deutschen Presserat in Berlin einreichen. Dazu hatte Ilka Desgranges, Ressortleiterin bei der Saarbrücker Zeitung und ehemalige Vorsitzende des Gremiums, ein ganzes Arsenal an kuriosen, bestürzenden und manchmal auch unfassbaren Fällen dabei. Wenig überraschende Erkenntnis: Der Deutschen liebstes Blatt mit den vier Buchstaben ist oft ganz vorne dabei in Sachen Dreistigkeit und Gewissenlosigkeit.

Zum Glück haben die Betroffenen rechtliche Mittel, um sich dagegen zu wehren. Und damit zurück zum leicht widersprüchlichen Eingangsabsatz. Eine Gegendarstellung ist nämlich beispielsweise etwas ganz anderes als eine Korrektur, eine Richtigstellung oder ein Widerruf. Im Gegensatz zu diesen geht es bei einer Gegendarstellung überhaupt nicht um den Wahrheitsgehalt einer Aussage. Heißt: Ob das, was in der Zeitung steht korrekt ist oder das, was der Betroffene in seiner Gegendarstellung schreibt, wird nicht geprüft. Aber natürlich gibt es auch hierzu einige feine juristische Ausnahmen. Und umso länger ich den Fall aus der Einleitung so grübelnd betrachte, umso eher bin ich versucht, ihn mal lieber Herr Braun vorzulegen. Was ich im Ernstfall sowieso machen würde. Dann aber auf jedenfall vor dem Abdruck.

 

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